Evangelisches Dekanat Runkel

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote des Dekanats zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

    AngeboteÜbersicht
    Menümobile menu

    Wenn die Kirche sich verändert

    18.09.2021 / Dekan Manfred Pollex

    Einige meiner evangelischen Pfarrkolleginnen und Kollegen haben einen besonderen Hintergrund: sie gehören zu den Siebenbürger Sachsen und kommen aus Rumänien. Seit dem 12. Jahrhundert waren ihre Vorfahren dort ansässig. Damit gehören sie zur ältesten noch existierenden deutschen Siedlergruppe in Osteuropa. Stolz und wehmütig zugleich zeigen sie mir ein Video aus ihrer alten Heimat. Da öffnet die Frau das große Tor. Man sieht das Pfarrhaus mit Stallungen, die vom Wein zugewachsen sind. Der tiefe Gewölbekeller und die verschiedenen Teile des Hauses zeugen von einer langen Geschichte, weiträumige Flure und Zimmer erinnern an alte Zeiten. Auf dem Dach nisten Störche mit ihren Jungen. Alte Kamine, eine große Küche und ein Backhaus erzählen von einer Zeit, in der das Pfarrhaus auch als ein Wirtschaftsbetrieb von vielen Mitarbeitern mit Leben gefüllt wurde.

    Durch einen kleinen Torbogen geht es zur Kirche, von deren Turm der Blick weit ins Land reicht. Kirche und Pfarrhaus sind von einer doppelten Ringmauer umgeben, eine Kirchenburg, damals als Schutz vor der drohenden Türkengefahr gebaut. Was als Festung gedacht war, gleicht heute einer Idylle, die dem Verfall preisgegeben ist. Über dem Tor befindet sich das alte Pfarrarchiv, in dem sich ordentlich in Regalen die Akten der aufgelösten Pfarreien stapeln. Die meisten Deutschen sind hier in den letzten Jahrzehnten ausgewandert. Während es um 1930 noch um die 300.000 waren, sind es derzeit nur noch rund 12.000. Die große Mehrheit wanderte nach Deutschland aus.

    Die Menschen, die noch dort leben, gehören nicht zu dieser Kirche und sprechen eine andere Sprache. Die Kirchenburg wirkt wie eine übriggebliebene Bastion einer vergangenen Zeit. Wer eine solche Veränderung mitmachen musste, weiß, wie weh sie tut. Kirche lebt von den Menschen, von kulturellen Zusammenhängen, von gemeinsamer Tradition und einer lebendigen Sprache. So konkret ist Kirche, aber auch so gefährdet, wenn sie in alten Traditionen erstarrt und die Menschen verliert, die sie getragen haben.

    Und plötzlich bin ich in Gedanken nicht mehr im fernen Rumänien, sondern hier mitten unter uns. Ich sehe, dass auch unsere Kirche mitten in einer großen Veränderung ist. Mit ungewissem Ausgang. Umso wichtiger ist, dass sie tut, was ihre Aufgabe ist und dabei nahe bei den Menschen bleibt.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    Diese Seite:Download PDFDrucken

    to top