Evangelisches Dekanat Runkel

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    Zur Erinnerung

    21.11.2020 / Pfarrerin Claudia Gierke-Heinrich

    „Lass doch endlich Gras über die Sache wachsen.“ Das müssen sich Menschen manchmal anhören, die nicht vergessen können oder wollen. Ohne Zweifel, es wäre befreiend, könnten wir die Erinnerung an manche Ereignisse einfach ausknipsen wie einen Lichtschalter. Wenn uns die Erinnerung an einen Menschen quält, wäre Vergessen eine Erlösung. Könnten wir manchmal wenigstens unsere Augen vor der Wahrheit zumachen, wir hätten unsere Ruhe. Vergessen und Verdrängen können sehr angenehm, Erinnern dagegen kann sehr unbequem sein.

    Gegen das Vergessen und für die Erinnerung wurde am letzten Buß- und Bettag auf Einladung der Gedenkstätte Hadamar ein ökumenischer Gedächtnisgottesdienst gefeiert. In der Landesheilanstalt Hadamar starben im Jahr 1941 über 10000 Menschen in der Gaskammer; fast 4500 Menschen wurden von 1942 bis 1945 gezielt umgebracht durch Hungerkost, medizinische Vernachlässigung, durch überdosierte Medikamente. Bei dem Got-tesdienst standen die Biographien von sechs Menschen im Mittelpunkt, denen stellvertretend für alle ermordeten Menschen gedacht wurde. Ihre Fotos rührten an; sie zeigten Menschen, die zur eigenen Familie hätten gehören können. Ein Kaufmann aus Marburg, der 44 Jahre alt wurde. Ein 16-jähriges, bildhübsches, lächelndes Mädchen. Ein 56-jähriger, ukrainischer Zwangsarbeiter. Eine 57-Jährige, die früher Klavier gespielt hatte und einmal eine fröhliche Frau gewesen war. Ein 16-jähriger, schweigsamer Junge und eine 29-Jährige, die nicht funktionieren wollte.

    Das Gedenken an die Ermordeten in Hadamar tut weh. Trotzdem sollte nie Gras über die Grausamkeit wachsen, welche die Getöteten erleiden mussten. Das Geschehene wird zwar nicht besser, wenn wir es nicht vergessen. Aber die Erinnerung vermag uns die Augen zu öffnen, damit wir sehen, wo unter uns Menschen gedemütigt, gequält und herabgesetzt werden. Auch deshalb dürfen wir nicht vergessen, was vor unserer Haustür vor fast 80 Jahren in Hadamar geschehen ist.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

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