Evangelisches Dekanat Runkel

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Einfach nur böse

03.08.2019 / Pfarrerin Claudia Gierke-Heinrich

Selten hat uns in unserer Region ein Verbrechen so schockiert wie der Tod des achtjährigen Jungen, der am Montagvormittag am Frankfurter Hauptbahnhof vor einen einfahrenden ICE gestoßen wurde. Das Entsetzen ist in diesem Fall besonders groß, weil das Kind so gemein und hinter-hältig ums Leben kam, weil sein Tod so grundlos und böse war. Die Tat in Frankfurt hat gezeigt, um etwas Schlimmes anzurichten, genügen zwei Hände. Hände, mit denen so viel Gutes getan werden kann, in bestimmten Situationen werden sie zu einer Waffe.

Das Böse ist und bleibt eine Realität, mit der wir leben müssen, gegen die wir aber kämpfen können. Sicherheitskonzepte, gegebenenfalls auch eine größere Präsenz von Polizei und Sicherheitskräften sind wirksame Mittel, um Schaden von Menschen abzuwenden. Noch effektiver dürfte es je-doch sein, Lebenssituationen zu verhindern, in denen Menschen anfällig für das Böse werden. Die wahren Handlanger des Bösen sind Krieg, Ge-walt und Hass. Man findet sie in unseren Familien und überall in der Welt: in Eritrea, von wo der Täter am Frankfurter Hauptbahnhof stammt; in Istha, wo der Kasseler Regierungspräsident Lübcke ums Leben kam; in Voerde, wo vor drei Wochen eine 34-jährige Frau vor einen Zug gestoßen wurde und starb. Gewalterfahrungen sind Türöffner. Sie erzeugen Hass- und Ohnmachtsgefühle. Sie sorgen dafür, dass sich das Böse in der Seele von Menschen einnistet.

Die beste Waffe im Kampf gegen das Böse ist das Gute. Das Gute, das sich auch am Montag in Frankfurt gezeigt hat. Es ist gut, dass die Menschen, die Zeuge des Unglücks wurden, nicht gleichgültig blieben. Die Tat ging ihnen zu Herzen. Einige griffen sogar beherzt ein, verfolgten den Täter und hielten ihn fest, bis die Polizei kam. Es ist gut, dass auch wir uns anrühren lassen von dem Unheil, das über das Kind, das über seine Mutter, das über seine Familie gekommen ist. Trotzdem wird es uns nicht gelingen, Böses immer zu verhindern. Deshalb hoffen Christen ja auf Gott, der versprochen hat, das Böse mit Stumpf und Stiel auszureißen. Diese Hoffnung ist keine Vertröstung irgendeiner Religion. Sie hat Auswirkungen im Hier und Jetzt. Denn Christen sind aufgefordert, dem Bösen die Stirn zu bieten. Jesus hat Nächstenliebe nicht nur gepredigt. Er hat sie auch gelebt. Liebe ist die einzige Saat, durch die Hass und Gewalt schon im Keim erstickt werden.

 

 

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