Evangelisches Dekanat Runkel

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Gruß zum Sonntag

Schwarze Leben zählen

The All-Nite Images/Wikimedia

Der aktuelle Gruß zum Sonntag steht ab sofort auf der Startseite dieser Website. Der Gruß zum Sonntag für den 21. Juni ist von Dekan Manfred Pollex zum Thema Alltagsrassismus.

Schwarze Leben zählen

21.6.2020 / Dekan Manfred Pollex

Berlin. Am Dienstag waren der ehemalige Fußballnationalspieler Gerald Asamoah, die Lehrerin Gloria Boateng, die Schülerin Vanessa Tadala Chabvunga und der Bildungsaktivist Daniel Gyamerah ins Schloss Bellevue eingeladen, um mit dem Bundespräsidenten zu diskutieren. Als weißer Mann mit weißen Haaren habe er keine Erfahrung mit Rassismus, sagte er. Deshalb wolle er hören, was fünf schwarze Mitbürgerinnen und Mitbürger an Alltagsrassismus erlitten haben.

Alle berichten, dass sie immer wieder grundlos von der Polizei angehalten und überprüft wurden: „Dann erkennen sie mich und sagen: ‚Tut uns leid, Herr Asamoah.‘ Aber bis dahin bin ich eben der Schwarze, der verdächtig aussieht.“ Brüssel. Ebenfalls am Dienstag steigt die schwarze deutsche Europaabgeordnete Pierrette Herzberger-Fofana im Brüsseler Nordbahnhof aus dem Zug, um sich zur Straße zu begeben, wo sie ein Dienstwagen abholen soll. Sie sieht, wie neun Polizisten zwei schwarze junge Männer belästigen, zückt ihr Handy und filmt die Szene. Daraufhin nehmen ihr vier Polizisten gewaltsam ihre Handtasche weg, pressen sie mit gespreizten Beinen an die Wand und durchsuchen sie. Dass sie EU-Abgeordnete sei, habe man ihr trotz ihres Ausweises nicht geglaubt und billigte ihr bestenfalls einen Job als Putzfrau im Parlamentsgebäude zu. Während sie den Kolleginnen und Kollegen im Parlament den Vorfall schildert, zittert sie vor Empörung und Tränen laufen ihr an beiden Wangen herunter.

Alltagsrassismus mitten unter uns. Eine Pest menschlicher Verachtung, die nicht ausrottbar scheint. Die westliche Welt befindet sich in einer tiefen Wertekrise. Seit dem gewaltsamen Tod zweier Farbiger durch Polizisten in den USA ruft die Bewegung #BlackLiveMatters zu Demonstrationen auf. „Hashtag Schwarze Leben zählen“. BLM, der symbolhafte Kniefall als Protest gegen den grausamen Erstickungstod von George Floyd durch einen Polizisten, ist auch unter uns zum Zeichen dafür geworden, endlich mit rassistischer Gewalt Schluss zu machen. Im Großen wie im Kleinen.

Dass es keine Rassen gibt, ist wissenschaftlich längst erwiesen. Wir gehören alle zur Gattung homo sapiens, auch wenn wir diesem Namen, vernünftig und klug zu sein, wenig Ehre machen. Wir sind auf Augenhöhe und gehören alle zur großen Familie der Kinder Gottes, sagt die Bibel. Erdlinge sind wir, alle gleich, von Gott erschaffen. Deshalb ist es nicht genug, kein Rassist zu sein und zu schweigen. Antirassisten braucht es jetzt, die aufstehen und kämpfen.

Bildnachweis: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:NYC_Rise_Up_and_-ShutItDown_for_Baltimore_(17291634126).jpg

mit freundlicher Genehmigung von Wikicommons

Bildautor:The All-Nite Images

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