Evangelisches Dekanat Runkel

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    Kirchenpräsident Dr. Volker Jung besucht Dekanatskonferenz Runkel/Weilburg

    Perspektive 2030 – Prioritätenprozess und Schwerpunkte in der EKHN

    Edwin Pfuhl

    Am 2.9.2020 besuchte Kirchenpräsident Dr. Volker Jung die Dekanatskonferenz der Dekanate Runkel und Weilburg in der Schlosskirche Weilburg. Im Mittelpunkt stand der Vortrag „EKHN 2030 – Prioritätenprozess, Schwerpunkte und ekklesiologische Grundlagen.“

    Die Tagung begann mit einer Andacht, ebenfalls gehalten von Dr. Volker Jung. Der Kirchenpräsident wählt den Predigttext des kommenden Sonntags, Apg 6,1-7 aus: Die Wahl der sieben Diakone.

    „In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung. Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und zu Tische dienen. Darum, liebe Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll Geistes und Weisheit sind, die wollen wir bestellen zu diesem Dienst. Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben. Und die Rede gefiel der ganzen Menge gut; und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Proselyten aus Antiochia. Diese stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten ihnen die Hände auf. Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.

    Es handelt sich um eine „Wachstumsgeschichte“: Das Wort breitet sich aus, die Zahl der Glaubenden nimmt zu. Das ist die Konzeption des Lukas, der die Apostelgeschichte verfasst hat. Passt das zu unserer Situation heute? „Wachstum“ darf nicht als Norm („Wahrheitskriterium“) missverstanden werden.

    Ein weiterer Aspekt: Bei der Versorgung der Witwen gab es einen Konflikt und damit eine Aufgabe für das Leitungsamt, die in „doppelter Weise“ wahrgenommen wurde: Einberufung einer Gemeindeversammlung und Einsetzen von Diakonen. „Versammlung“ und „Amt“ sind zwei Steuerungsinstrumente und jedes entspricht einer Kirchentypologie (Amt/Weihe = katholisch; Versammlung/Priestertum aller Glaubenden = evangelisch). Der synodale Weg der Katholiken bringt das Amt wieder ins Gespräch mit den Gemeinden – evangelisch denken wir das Amt von der Versammlung her (es hat „dienende Funktion“). Vom Wort Gottes ausgehend bekommen Menschen den Auftrag einander zu dienen. Dabei ist die Verkündigung des Evangeliums kein „Sonder“-Dienst, weil alles in der Welt nach christlicher Auffassung im Licht des Evangeliums betrachtet/geregelt werden soll.

    Vortragsthema: „EKHN 2030 – Prioritätenprozess, Schwerpunkte, ekklesiologische Grundlagen“

    „Wir haben in Deutschland als Kirche nicht alles falsch gemacht. Der Vergleich zur Schweiz und zu den Niederlanden zeigt, dass der dortige Rückzug auf allein parochiale Strukturen die Kirche im Ergebnis gesellschaftlich noch weniger sichtbar und wirksam hat werden lassen und auch höhere Austrittszahlen als bei uns festzustellen sind.“

    Dennoch gehört alles auf den Prüfstand. Zum Beispiel die Finanzen: Durch die Niedrigzinsphase haben die Rückstellungen für Pensionen der PfarrerInnen und Kirchenbeamten eine niedrigere Kapitaldecke als es notwendig wäre. Auch das System der Beihilfe trägt sich nicht stetig aus sich selbst heraus. Hierzu sind jedoch weitere detaillierte Berechnungen nötig. Nach jetzigem Stand müssten bis 2030 im Haushalt der EKHN 25% (faktisch 140 Mio. €) eingespart werden, um den Prognosen der Freiburger Mitgliedschaftsstudie zu entsprechen. Dabei schlägt der demografische Wandel weniger durch als die weiteren Faktoren wie weniger Taufen und mehr Austritte.

    Im Themenkreis „Ekklesiologische Grundlagen“ wurden zwei Kernthemen angesprochen:

    - Mitgliederorientierung und Gemeinwesenorientierung: Nicht nur persönlicher Einsatz, sondern auch digitale Erreichbarkeit zu den Zielgruppen. Dabei im Blick haben, wie es den Menschen in einer Region geht. Vorschlag: Vernetzung und Kooperation stärken; Sozialräume wahrnehmen und gestalten; Dienstgemeinschaft.

    - Gebäudeerhalt bzw. -veräußerung: Kirchen seien „Orte der Erkennbarkeit“ und daher als letztes zu veräußern (zumal oft „emotionale Bindungen“ bestehen). Aber der Gebäudeunterhalt (durch die Doppik klar erkennbar und benennbar) hat kritische Grenze in vielen Fällen überschritten (im Nachgespräch nennt der KP als Beispiele: Burg Hohensolms, Kloster Höchst, Bibelhaus Frankfurt).

    Fazit:
    Es ist keine einfache Situation, ausgehend von Sparzwängen ein Entwicklungsprogramm zu entwerfen. Aber das Ziel lautet Gestaltung und Veränderung und nicht Abwicklung. Eine Frage ist tatsächlich, ob bzw. inwieweit „Wirtschaftlichkeit“ als ein handlungsleitendes Prinzip gelten darf.

    Fall 1: Obdachlosenarbeit ist nicht wirtschaftlich und betrifft nur eine verhältnismäßig kleine Zahl von Menschen. Aber sie gehört zur Botschaft des Evangeliums!

    Fall 2: Ist es angemessen, an jedem Sonn- und Feiertag im Abstand von wenigen Kilometern viele wenig besuchte Gottesdienste anzubieten? Jung: Wir haben als Kirche einen „Programmauftrag“, keinen „Effizienzauftrag“!

    In der abschließenden Aussprache kamen folgende Themen zur Diskussion:
    - Kirchenmitgliedschaft und Kirchensteuern: Einbußen/Reformen bei 25-35 sowie bei den 50-60jährigen.
    - Verhältnis Mitgliedschaft und Gemeinwesen. Ist das Verhältnis ausgewogen? Ergeben sich Vorteile oder Ressourcen für Mitglieder?
    - Regionale Pfarrstellen und Zentren: „Gute vernetzte Arbeit vor Ort braucht Unterstützung. Gute öffentliche Kontakte sind von den Gemeinden allein nicht zu leisten“ (Bsp. Verbände) - Konkrete Planungen über Kürzungen (Gebäude, Zuweisungen) als nächster Schritt.
    - Kein „großer Wurf von oben“, sondern gute Erfahrungen mit regionaler Steuerung.
    - Kirche habe sich in Coronazeit nicht „weggeduckt“ (Hinweis auf einen kritischen Kommentar von Heribert Prantl in der SZ).
    Die Notwendigkeit, aber auch die Fähigkeit zur Selbstkritik besteht in der EKHN.

    Peter Wagner, Öffentlichkeitsarbeit
    Manuskript: Joachim Naurath

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