Evangelisches Dekanat Runkel

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    Buß-und Bettag

    Ökumenisches Gedenken an NS-Opfer in Hadamar

    Foto: Peter Wagner

    Ein ökumenischer Gottesdienst wurde am Buß- und Bettag, 18.11.2020 in Hadamar gefeiert. Gemeinsam mit der Gedenkstätte Hadamar, der katholischen Gemeinde St. Johannes Nepomuk und der Evangelischen Kirchengemeinde Hadamar wurde in der katholischen Kirche in Hadamar der Ermordeten der ehemaligen Tötungsanstalt gedacht.

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    Gestaltet wurde der Gottesdienst von Pfarrerin Katharina Eisenreich und Pfarrer Andreas Fuchs für die Liturgie, der stellvertretenden Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf und Weihbischof Dr. Thomas Löhr, die die Predigt im Wechsel hielten sowie Chiara Bausch und Marvin Arnold, die Fürbitten und Biografien lasen. Für die musikalische Begleitung sorgten Dekanatskantor Martin Buschmann, Orgel und Friederike Buschmann, Gesang. Die Begrüßung sprach Judith Sucher, Pädagogische Leiterin der Gedenkstätte Hadamar.

    Sechs Namen, stellvertretend für über 15.000 Ermordete in den Jahren 1941-45, standen im Mittelpunkt des Gottesdienstes: Richard Hartmann, 44 Jahre, Luise Simone Diehl, 16 Jahre, Grigorij Schamritzkij, 56 Jahre, Margarethe Gerlach, 57 Jahre, Karl Mainzinger, 15 Jahre und Ernestine Schmidt, 29 Jahre. Sie alle waren Opfer der NS-„Euthanasie“, des angeblichen Gnadentodes, der vor allem an geistig behinderten Menschen durchgeführt wurde. Die Angehörigen erhielten daraufhin stets Totenscheine mit falschen Angaben, in denen ein vorgeblich medizinischer Grund als Todesursache eingetragen war. Die wechselseitig gesprochene Predigt von Weihbischof Dr. Thomas Löhr und der stellvertretenden Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf bezog sich auf Psalm 130, dessen Eingangsworte „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“ lauten. Doch die Menschen in der Anstalt Hadamar durften keine Hilfe und auch keine Menschlichkeit erwarten. Häufig wurden sie am Tag ihrer Einlieferung in die Gaskammer geschickt, wie aus den sechs vorgetragenen Biografien hervorging. Besonders ergreifend waren die vorgetragenen Biografien, teilweise mit den Portraits der Ermordeten. Sie machten aus einer anonymen Masse Menschen mit Gesicht und gelebtem Leben, nicht Krankheit als Schicksal, sondern Menschen als Täter haben ihr Leben beendet. Der Staat selbst hat den Terror verübt, Hilfe war nicht zu erwarten. Weihbischof Löhr zitierte in seiner Predigt eine Zeitzeugin, die sich immer bekreuzigte, wenn die berüchtigten grauen Busse durch Hadamar fuhren und dabei die Worte sprach: „Die armen Menschen.“ Aus Ulrike Scherfs Schlussworten drang schließlich der Appell an uns alle, diese Menschen nicht zu vergessen: „Das Gedenken darf nicht sterben. Die Ermordeten sterben ein zweites Mal, wenn wir sie vergessen.“

    Coronabedingt war dieser Gottesdienst nur für geladene und angemeldete Gäste, ein Kamerateam des Bistums Limburg hat diesen jedoch aufgenommen und stellt ihn im Internet ein: https://youtu.be/MAclviqws38
    Die Kollekte dieses Abends kommt dem Verein zur Förderung der Gedenkstätte Hadamar e.V. zugute.

    Peter Wagner
    Öffentlichkeitsarbeit

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