Evangelisches Dekanat Runkel

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Dekanats-Studientag

Fußball, Kirche und die gesellschaftliche Verantwortung

Peter Wagner

Sport und Kirche – passt das zusammen? Ja, und wie! Der gemeinsame Studientag der Dekanate Runkel und Weilburg führte am 16.10. zuerst in das Waldstadion und die „heiligen Hallen“ der Eintracht Frankfurt, nachmittags zum Vortrag und Gedankenaustausch mit dem DFB, der in direkter Nachbarschaft seine Zentrale hat.

Organisiert haben diesen Studientag Pfarrerin Katharina Eisenreich aus Hadamar und Pfarrer Markus Stambke aus Limburg. Begleitet wurde der Tag von Stadionpfarrer Eugen Eckert, der vielen vor allem als Texter zahlreicher moderner Kirchenlieder bekannt ist. Er führte mit einer Andacht in der Stadionkapelle der Eintracht in den Tag ein und erzählte deren Geschichte und Bedeutung. Eingeweiht wurde die Kapelle am 18. Januar 2007. Dass es in Deutschland nur vier Stadionkapellen gibt, hat tatsächlich einige erstaunt, nur Gelsenkirchen, Frankfurt, Berlin und Wolfsburg haben eine. Dass diese Kapelle sehr nah am Leben ist, beweisen unter anderem zahlreiche Bilder an der Wand, denn nicht nur Spieler, auch Fans der Eintracht nutzen sie für Einkehr, Trauungen oder Taufen. Eugen Eckert erläuterte den Gästen unter anderem die Bedeutung des Adlers, der nicht nur als Wappenvogel der Stadt Frankfurt und der Eintracht vorkommt, sondern auch in zahlreichen Kirchenliedern und Psalmen eine Rolle spielt. Es gab sogar schon Taufen und Trauungen, die mit einem lebenden Adler auf dem Arm eines Falkners zugegen waren.

Jüdisches Erbe
Interessante Details aus der Vereins- und Sportgeschichte erfuhr die Gruppe von Matthias Thoma, Leiter des Eintracht-Frankfurt-Museums. Insbesondere die jüdischen Wurzeln des Vereins sind ein wesentlicher Baustein der Vereinsgeschichte. Thoma ist auch Autor mehrerer Bücher zur Vereinsgeschichte, das neueste trägt den Titel „Wir waren die Juddebube“. Der damals noch junge Fußballsport, aus England importiert und auf Teamgeist und Internationalität ausgerichtet, war traditionalistischen Sportvereinen mit ihrer strengen Hierarchie und Disziplin verdächtig. Für die jüdische Minderheit war er daher besonders attraktiv, weil es dort keine Zugangsbeschränkungen wie in traditionellen Sportvereinen gab.

Auch interessant, dass in Deutschland bis in die Zwanzigerjahre Fußball ein reiner Amateursport war. Wer Profi werden und mit seinem Sport Geld verdienen wollte, musste damals ins Ausland gehen, war in Deutschland dann allerdings keine Erwähnung mehr wert. Auch die Trikots der Spieler waren damals selbst hergestellt. Der Adler saß an unterschiedlichen Stellen, war nicht einheitlich gefärbt, das einheitliche Erscheinungsbild der Mannschaft war allerdings durchaus gegeben. Fußballschuhe gab es damals nur in England, so behalfen sich die Spieler mit Arbeitsschuhen (mit Stahlkappen!), an die in Handarbeit Stollen geschraubt wurden.

Nach dem Besuch des Eintracht-Museums, der Mannschaftskabinen, der VIP-Räume und einer Stippvisite auf das eigentliche Stadiongelände, wo man auch eine Sitzprobe auf den Trainer- und Ersatzspielerbänken nehmen konnte, bereitete sich die Gruppe auf den zweiten Teil des Studientages vor, der Informations- und Diskussionsrunde beim DFB.

Wer ist der DFB?
Wolfgang Möbius, Vertreter der DFB-Zentralverwaltung, war der Gastgeber des Nachmittags. Die Themenbereiche „Kirche und DFB in gesellschaftlicher Verantwortung“, „Strukturelle Vergleiche zwischen dem organisierten Sport und der Kirche“ sowie ein Ausblick auf die Großveranstaltungen Euro 2020 und 2024 standen auf dem Programm, Fragen der Gäste wurden ebenfalls beantwortet.

Gegründet am 28. Januar 1900 in Leipzig, nach einigen regionalen und wenig erfolgreichen Vorgänger-Organisationen, wurde aus dem DFB, dem Deutschen Fußball-Bund, einer der größten Sport-Fachverbände der Welt. Die Zentrale in Frankfurt am Main verwaltet derzeit 5 Regionalverbände, 21 Landesverbände, 276 Fußballkreise, 26.000 Vereine und rund 7 Millionen Mitglieder. Davon sind ca. 99,5 % Vereine, in denen das Ehrenamt eine wichtige und tragende Rolle spielt, nur 0,5 % spielen in den Medien eine Rolle, in denen viel Geld verdient wird und Lizenzen vergeben werden. Diese Grundinformationen waren wichtig, um die Arbeit und Organisation, die der DFB für die Mitgliedsvereine macht, zu verstehen. Ebenso wurde der Unterschied zur DFL, der Deutschen Fußball-Liga, dem Dachverband des bezahlten Fußballs und damit erklärtermaßen maximal gewinnorientiert, verdeutlicht. Zwischen DFB und DFL besteht ein Vertrag, eine richtige Freundschaft ist es aber nicht, wie Wolfgang Möbius betonte. Über Geld wird auch beim DFB gestritten, verteilt werden pro Jahr rund 16 Millionen Euro an die Landesverbände – nicht an die Vereine.

Fragen der Gäste
Natürlich standen die Fragen, in denen der DFB in letzter Zeit kritisch in den Medien stand, im Vordergrund. Was, wenn die Herren Zwanziger, Niersbach und Grindel verurteilt werden? Antwort: Dann ist der DFB gezwungen, seinerseits Klage zu erheben gegen seine ehemaligen Präsidenten. Oder die Genderfrage: Wann herrscht Geschlechtergerechtigkeit in Führungspositionen? Auch hier wird die Männerdominanz nicht geleugnet. Der Frauenfußball ist auch erst seit 50 Jahren offiziell anerkannt vom DFB, aber der Nachholbedarf ist erkannt und wird hoffentlich in naher Zukunft geändert.

Eine Parallele zum Zustand der Kirche sahen die DFB-Vertreter beim eigenen Nachwuchs. Es gibt keinen Automatismus mehr, der immer wieder Nachwuchs und frisches Blut in die Reihen spült, es muss also aktiv um Mitglieder und Nachwuchs geworben werden.

Von der Struktur- zur Kulturveränderung
Zu Beginn dieses Themenbereichs wurde ein Cartoon eingeblendet, der den DFB als großen Tanker darstellt, der von unzähligen kleinen Schiffen gezogen wird – nicht immer in die gleiche Richtung. Darunter sind die Vereine und seine Mitglieder, Berater, Medien, Sponsoren, die DFL und viele andere. Wichtig ist dem DFB, dass es zukünftig einen Perspektivwechsel gibt, vom System im Mittelpunkt hin zum Spieler im Mittelpunkt. Das System, bestehend aus einem Ring von Spielern, Trainern, Wettbewerbern, Förderstrukturen und Rahmenterminkalendern muss also reformiert werden, es ist eine der großen Zukunftsaufgaben.

Kirche und DFB in gesellschaftlicher Verantwortung
Steffi Schulte, Abteilungsleiterin Gesellschaftliche Verantwortung und seit 2006 beim DFB, erläuterte in ihrem Vortrag die Werte, die dem DFB zugrunde liegen, und die sich in weiten Teilen mit denen der Kirche decken. Ganz weit vorn liegen dabei Vielfalt, Integration und Toleranz, damit verbunden auch Aktionen gegen den Rassismus, Kooperation mit anderen Organisationen und die Nachhaltigkeit, die auch im Sport eine relevante Größe darstellt. (Der ausführliche Nachhaltigkeitsbericht kann heruntergeladen werden unter www.dfb.de/nachhaltigkeitsbericht).

Beim Ausblick auf die Euro 2020 und 2024 wurden die Kooperationen zur UEFA einerseits und dem sogenannten „Stakeholder-Netzwerk“ andererseits verdeutlicht. Dabei liefert der DFB sozusagen die „Bühne“, die UEFA das „Event“. Mit von der Partie sind die Stakeholder, bestehend aus einer Reihe von NGOs, darunter die EKD, Sponsoren, Stadien, Flughäfen, das Bundeskanzleramt, das Innenministerium, die Kultusministerkonferenz, der Deutsche Städtetag, Agenturen, Medien und natürlich die Fanorganisationen. Frühzeitige Kommunikation und Einbeziehung der Stakeholder als Erfolgsfaktor. Oder, um es allgemein auszudrücken: Offen sein, Kommunikation leben und wachsen.

Peter Wagner
Öffentlichkeitsarbeit

 

 

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