Evangelisches Dekanat Runkel

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Zivilcourage

13.10.2018 / Dekan Manfred Pollex

„Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg!“ „Die Politiker streichen dicke Diäten ein und tun nichts für uns kleine Leute!“ „Die Ausländer wollen sich ja gar nicht integrieren!“ „Man muss ja Angst um Frauen und Töchter haben, wenn so viele Muslime unterwegs sind!“

Sind Ihnen solche Äußerungen bekannt? Mir auch. Populismus, Parolen, Rechtsra-dikalismus, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit haben Eingang gefunden in breite Teile unserer Gesellschaft, sind salonfähig geworden. Und das treibt mich um. Der Ton in der Öffentlichkeit ist rauer geworden. „Shitstorm“ und „Hatespeech“ scheinen bereits in den deutschen Sprachgebrauch eingegangen zu sein. Seit geraumer Zeit sind politische Auseinandersetzungen von höchst provokativen Aussagen von ganz rechts mitgeprägt. Die Willkommenskultur in unserem Land schwindet, nicht nur Asylbewerber und Geflüchtete, auch Ausländer, Menschen, die anders aussehen, anders glauben und leben erwarten Diffamierungen und Gewalt. Weltweit erstarken rechte Parteien und Bewegungen. Momentan erleben wir hier in unserem Land die größte Welle rassistischer Gewalt seit über 20 Jahren. Mich macht das ratlos, ohnmächtig, zornig. Was kann ich ändern? Was entgegen-setzen dem Ganzen, das ich für brandgefährlich und für grundfalsch halte? Für mich gilt immer noch das Gebot Jesu in der Übersetzung Martin Bubers: „Du sollst deinen Nächsten lieben, er ist wie du!“

Ich bin Christen in den USA sehr dankbar, die angesichts ihrer politischen Entwicklungen im eigenen Land zur Einsicht gekommen sind: So kann es nicht weitergehen. Wir dürfen nicht länger schweigen. Sie haben aufgeschrieben, was in dieser Zeit gesagt werden muss. „Reclaiming Jesus“ heißt die Schrift - Jesus wiedergewinnen. Im Internet ist sie zu finden. Sie beginnt mit den Worten „Wir erleben bedrohliche und polarisierende Zeiten in unserem Land und eine gefährliche Krise der moralischen und politischen Führung auf höchsten Ebenen der Regierung und der Kirchen…Die Rolle der Kirche ist es, die Welt durch das Leben und die Liebe Jesu Christi zu verändern. Die Aufgabe der Regierung ist es, dem Gemeinwohl zu dienen, indem sie Gerechtigkeit und Frieden schützt. Wenn diese Rolle vonseiten der politischen Führung untergraben wird, dann müssen führende Frauen und Männer des Glaubens aufstehen und das Wort ergreifen.“

Wir haben Populismus und Rassismus nicht nur im Deutschen Bundestag und in den Landtagen, sondern sich immer weiter ausbreitend mitten in unserer Gesellschaft. Darum: Was muss von uns jetzt gesagt, was muss jetzt getan werden? Wegsehen, weghören, schweigen – diese Zeit ist vorbei.

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