Evangelisches Dekanat Runkel

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    Zeichen der Hoffnung

    04.09.2021 / Pfarrerin Claudia Gierke-Heinrich

    Das Bild eines afghanischen Vaters, der auf dem Kabuler Flughafen sein krankes Baby einem US-Soldaten entgegenstreckte, ging um die Welt. Der Mann flehte die Soldaten an, seinem Kind zu helfen. Als ein Uniformierter das Kleine am Ärmchen packte und über einen Stacheldrahtzaun auf einer Mauer zog, konnte der Vater nicht wissen, was mit seinem Kind geschehen würde. Er konnte nur hoffen, dass sein Kind bei den Amerikanern in gute Händen kommt, auch wenn er damit rechnen musste, sein Kind vielleicht nie mehr wieder zu sehen.

    Wir müssen nicht in einem Kriegsgebiet leben, um die Verzweiflung des afghanischen Vaters nachvollziehen zu können. Spätestens, wenn uns selbst eine Not im Nacken sitzt, wenn es um Sein oder Nicht-Sein in unserem Leben geht, suchen wir nach einer rettenden Hand, die uns festhält. Verstellen uns eine Krankheit oder eine Lebenskrise den Weg, dann wünschen wir uns, jemand wie der Soldat mit den riesigen Handschuhen, der das Kleinkind über Mauer und Zaun gehoben hat, würde auch uns in Sicherheit bringen. In der Geste des Soldaten kommt ein Stück Himmel auf die Erde. In ihr zeigt sich Gott, der mit uns Wälle erstürmt und über Mauern springt.

    Eine Mauer überwinden wollte auch der afghanische Vater, der sein Kind in Sicherheit wissen wollte. Er wollte, dass sein Kind überlebt, dass es der Zerrissenheit und der Ausweglosigkeit entkommt, die sich in seinem Land ausgebreitet hat. Mit seiner ganzen Hoffnung stellte er sich mit seinem Kind dem Terror entgegen. Umso mehr berührt am Ende, was das Bild nicht zeigt: Der verzweifelte Einsatz des Vaters, der sein Baby retten will, hatte Erfolg. Die amerikanischen Soldaten brachten das Kind in ein norwegisches Krankenhaus auf dem Flughafen in Kabul. Dort wurde es behandelt und später an seinen Vater zurückgegeben. Somit bekommt eine Geschichte, die von Elternliebe und dem Kampf ums Überleben erzählt, ein kleines Happyend. Selbst in einem von Krieg und Leid geschundenen Land finden am Ende Himmel und Erde doch irgendwie zusammen. Menschlichkeit überwindet alle Grenzen. Wenn auch leider viel zu selten.

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