Evangelisches Dekanat Runkel

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Vertrauen lohnt

30.10.2018 / Pfarrerin Cladia Gierke-Heinrich

In unserer Region ist der ICE-Bahnhof Limburg-Süd hoch frequentiert. ICE-Züge gelten als schnell und sicher. In diesem Monat allerdings verunglückte ein ICE in der Nähe von Dierdorf. Wie sich später herausstellte, fing der Zug Feuer aufgrund eines defekten Trafos. 510 Reisende waren an Bord. Fünf Fahrgäste erlitten leichte Verletzungen. Wahrscheinlich verhinderte ein Bundespolizist, der auf dem Weg zur Arbeit war, Schlimmeres. Er löste den Nothalt aus und leitete die Passagiere aus der Gefahrenzone. Er beachtete dabei, dass sowohl abgerissene Oberleitungen eine Gefahrenquelle hätten sein können wie der mögliche Gegenverkehr. Glücklicherweise waren außerdem Angehörige von Hilfsorganisationen im Zug. Und selbstverständlich ist das Zugpersonal bestens ausgebildet, um in solchen Gefahrensituationen richtig zu reagieren. Trotzdem lag es wohl maßgeblich an dem Bundespolizisten, dass nicht alle Fahrgäste planlos aus dem Zug rannten. Dem uniformierten Polizisten vertrauten die Fahrgäste offenbar und folgten ihm diskussionslos. Man traute ihm zu, dass er wusste, was in dieser Situation gut und richtig war. Ob das so gewesen wäre, wenn er nicht als Polizist zu erkennen gewesen wäre, ist zu bezweifeln. Im Bewusstsein der meisten Menschen ist die Polizei - Gott sei Dank - noch immer Freund und kompetenter Helfer.

Auch in anderen Berufen bekommen Menschen von anderen einen Vertrauensvorschuss. Ein Arzt oder eine Ärztin stehen in der Gunst ihrer Patienten in aller Regel weit oben. Auch Feuerwehrleuten und Rettungssanitätern bringen wir Vertrauen entgegen. Wir unterstellen ihnen, ohne sie persönlich zu kennen, dass sie es gut mit uns meinen. Für Christinnen und Christen gilt das auch. Sie müssen nicht bei der Polizei arbeiten oder im Rettungs- und Gesundheitswesen, um von anderen für ihre Haltung geachtet zu werden. Leider bröckelt dieses Bild. Das hat Gründe. Einer dieser Gründe ist, dass Christen viel zu sehr ihr Licht unter einen Scheffel stellen. Dabei sollen gerade sie nach dem Willen von Jesus "leuchten vor den Leuten" (Mt 5,16).

Auch wenn Christen keine Heiligen sind, sie genießen dennoch bei vielen immer noch einen Vertrauensvorschuss. Um den jedoch zu erhalten, müssen sich Christen aber auch als Christen zu erkennen geben. Für sie selbst hat das vielleicht keinen Vorteil. Wohl aber haben andere etwas davon, denn Christen haben nicht nur Gott, sondern immer auch das Wohl ihres Nächsten im Blick.

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