Evangelisches Dekanat Runkel

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote des Dekanats zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

    AngeboteÜbersicht
    Menümobile menu

    Schriftbild

    11.05.2019 / Pfarrerin Claudia Gierke-Heinrich

    An einer Unterschrift kann man sicherlich nicht den Charakter eines Menschen ablesen, wohl aber seine Haltung. Wenn eine Unterschrift abbricht in einem senkrechten Strich, steht dahinter vermutlich ein Mensch, der sagen will: „Bei mir stößt du auf eine Mauer. Ich lasse dich nicht in mein Leben!“ Das Gegenteil meint dagegen eine Unterschrift, die in die Weite ausläuft. Aber selbst das muss nicht immer heißen, dass ein Mensch anderen freundlich zugewandt ist. Solche Unterschriften enden oft in einer messerscharfen Spitze und weisen vielleicht auf eine feindselige Haltung des Schreibenden hin. Schön sind jene Unterschriften, die von Anfang bis zum Ende Höhe und Klarheit zeigen. Für so eine Unterschrift muss man sich jedoch Zeit nehmen. Dagegen sind etwa Unterschriften von Menschen, die viel unterschreiben müssen, häufig nur hastig hingeworfene Kürzel. Aber gerade solche Kürzel sind vielsagend, verdichtet sich in ihnen doch das Wesentliche. So individuell Unterschriften sind, sie haben doch alle eines gemeinsam. Mit unserer Unterschrift drücken wir etwas einen Stempel auf, egal ob wir einen Mietvertrag unterzeichnen oder die Annahme eines Pakets bestätigen. Wer etwas unterschreibt, übernimmt Verantwortung.

    Deshalb unterschreiben wir auch nicht alles. Schon gar nicht das, was unserer Haltung, was unserer inneren Einstellung widerspricht. Anders ist das, wenn wir voll und ganz hinter etwas stehen wie etwa ein Künstler hinter seinem Werk. Bis zum 27. Mai ist in der Kapelle des St. Vincenz-Krankenhauses in Limburg eine wunderbare Ausstellung zu sehen. Sie trägt die Handschrift einer Künstlerin, die mit Holz Skulpturen erschaffen hat, welche die tiefe Verwurzelung der Bildhauerin im christlichen Glauben zum Ausdruck bringen. Die Ausstellung „Menschenskind“ der Künstlerin Cornelia Grzywa ist eine beeindruckende Installation bestehend aus Skulpturen, Licht und Texten, die es zu besuchen lohnt.

    Nicht jeder versteht es, die eigene Haltung künstlerisch umzusetzen. Das ist auch gar nicht nötig. Wie man für die eigenen Überzeugungen einstehen kann, machen uns Jugendliche in Europa gerade vor, indem sie für mehr Klimaschutz auf die Straße gehen. Haltung zeigen, ist wichtig, gerade dann, wenn man nicht alles unterschreiben kann, was in der Politik und was in unseren Kirchen geschieht. Denn wer Haltung zeigt, übernimmt Verantwortung und zeigt, wofür er steht. Allerdings ist es nicht verkehrt, die eigene Haltung hin und wieder zu überprüfen. Es ist mit ihr wie mit unserer Unterschrift. Sie sagt viel über uns aus.

    Diese Seite:Download PDFDrucken

    to top