Evangelisches Dekanat Runkel

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Normen

08.12.2018 / Dekan Manfred Pollex

Wenn etwas genormt ist, dann bedeutet dies für uns in der Regel eine große Erleichterung. Zum Beispiel die Eisenbahn. 4 feet 8 1/2 Inches oder 1,435 Meter, ein merkwürdig krummes Maß. Es bildet die Norm für die Spurweite fast aller europäischer Gleisstrecken. Woher diese Zahl stammt, weiß man heute nicht mehr genau. Die einen meinen, es sei die Breite eines römischen Kampfwagens gewesen, für andere führt die Spur zum Ursprung dieses Maßes in englische Kohlebergwerke. In Spanien ist das anders. Da fährt die Eisenbahn seit 1855 auf Schienen einer Breite von 1,676 Metern, also 0,241 Meter breiter als das europäische Normalmaß. Damit ein Zug auch außer Landes fahren kann, gibt es 12 Anlagen, in denen die Spurbreite an den Achsen verändert wird. Das ist mühsam und zeitraubend. Was genormt ist, ist aufeinander abgestimmt, passend gemacht. Wussten Sie, dass diese Norm etwas mit der Effektivität und Grausamkeit des Krieges zu tun hat? Als der Erste Weltkrieg tobte, fiel der deutschen Rüstungsindustrie auf, dass es ohne Industriestandards mühsam ist, Panzer, Kriegsschiffe und Gewehre herzustellen. Stellt jeder seine eigenen Schrauben her, ist es ganz schön schwierig, wenn mal etwas kaputt geht. Also gründete man vor gut 100 Jahren den „Normenausschuss der deutschen Industrie“ und der legte nach und nach die „Deutsche Industrienorm“, kurz DIN, fest.

Was da im Jahr 1917 zur Unterstützung der Kriegsindustrie geboren wurde, normiert bis heute unseren Alltag. Und das macht uns das Leben leichter. Aber wenn wir von dieser Norm abweichen, etwas ganz anderes haben wollen, wird es meist schwierig und teuer.

Das ist nicht nur bei Schrauben und der Eisenbahn so. Menschen machen die Erfahrung, dass es nicht so leicht ist, wenn man nicht der Norm entspricht, weil man eben anders ist, in kein gängiges Schema passt. Die schwarze Hautfarbe, die fremde Religion, das dritte Geschlecht, die homosexuelle und lesbische Liebe, - all das verunsichert andere und macht ihnen Angst. Dabei sind wir eigentlich überhaupt nicht fürs Normieren geeignet. Weil wir einmalig sind als Gottes Geschöpfe. Einmalig und sehr wert geachtet in seinen Augen. Was bei Papierformaten und Wasserrohren gut und richtig ist, ist auf den Menschen übertragen schlimm. Die Norm kennt nämlich keine Ausnahme, bei ihr gibt es „null Toleranz“. Unser Zusammenleben wäre ohne Spielräume und Toleranz, ohne die Faszination der Einmaligkeit sehr arm.

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