Evangelisches Dekanat Runkel

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    Nächstenliebe ist Gottesdienst

    23.05.2020 / Dekan Manfred Pollex

    Kann der Staat den Kirchen das Feiern von Gottesdiensten verbieten? Müssen sie sich das gefallen lassen? Wie keine andere Institution haben die Kirchen ein vertraglich garantiertes Recht auf weitgehende Eigenständigkeit. „Jeder Baumarkt hat geöffnet, nur ihr lasst euch eure Gottesdienste verbieten!“, so lautete immer wieder ein Vorwurf. Man wünschte von den Kirchen mehr Stärke, Profil und Durchsetzungsvermögen dem Staat gegenüber.

    Ich kann diese Haltung ja nachvollziehen: Viele Menschen vermissten die Gottesdienste als eine wichtige Kraftquelle ihres Lebens. Für sie sind die Kirchen mit ihren Angeboten ebenso systemrelevant wie die Baumärkte. Andere wollten einfach nur stänkern.

    Aber zwei Punkte sind beachtenswert: Erstens hat es seitens der Politik nie ein Gottesdienstverbot gegeben. Katholische und evangelische Christinnen und Christen haben Gottesdienste gefeiert – zu Hause, am Küchentisch, am Fernseher, Radio oder im Internet. Die Zahl der Interessierten war auf YouTube und anderswo in manchen Gemeinden zwanzigfach höher als die Teilnehmerzahl eines „normalen“ Gottesdienstes. Hier haben sich für uns neue Wege aufgetan, die wir weiter beschreiten sollten.

    Zweitens gehört das Thema Gottesdienste nicht auf die Machtebene von Kirchen und Staat. Wir standen in dieser Frage nie gegeneinander, sondern haben miteinander danach getrachtet, einen vernünftigen und angemessenen Weg zu finden. Daher hätte es für uns gar kein Versammlungsverbot geben müssen. Wir hätten aus Gründen der Vernunft und des Gebots der Nächstenliebe den älteren, vorerkrankten und besonders gefährdeten Mitmenschen gegenüber gottesdienstliche Versammlungen in der üblichen Form gemieden. Die politisch Verantwortlichen, von der Bundeskanzlerin über unseren Ministerpräsidenten bis hin zu den Landräten und Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, haben in der Krise bis heute eine hervorragende Arbeit geleistet. Wer in den Maßnahmen der letzten Wochen Anfänge einer Entmündigung und Diktatur sieht, wer irren Verschwörungstheorien auf den Leim geht, kann sich nicht darauf berufen, dass es ein Grundrecht für ein Brett vor dem Kopf gäbe.

    Viele vermissen Gottesdienste und das Gemeindeleben mit echter menschlicher Begegnung. Darauf werden wir wohl noch eine Weile warten müssen. Unter strengen Hygieneauflagen werden wieder Gottesdienste gefeiert- ohne Gesang, mit Abstand und Maskenpflicht. Heute sind wir der Meinung, dass es angemessen ist. Es wird so bleiben: Abstand halten ist ein Gebot der Nächstenliebe. Und Nächstenliebe leben ist Gottesdienst.

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