Evangelisches Dekanat Runkel

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    Mein Name gehört zu mir

    08.02.2020 / Pfarrerin Claudia Gierke-Heinrich

    Wir suchen uns unseren Vornamen nicht aus. Ob er uns gefällt oder nicht, wir leben mit ihm. Wir geben ihn nicht auf, auch wenn wir ihn nicht mögen und unter Umständen ändern lassen könnten. Früher gaben Eltern ihren Kindern bevorzugt Namen von Großeltern oder Paten. Wer katholisch getauft war, erhielt häufig den Namen von Heiligen. Heute geht es eher darum, dass ein Name schön klingt: Emma, Luca, Mia, Leon.

    Vornamen, die selten sind, gibt es kaum. Claudias gibt es wie Sand am Meer. Trotzdem steht mein Name dafür, dass ich einzigartig bin. Mein Name gehört zu mir. Er stiftet Identität, wenn ich mit ihm unterschreibe. Er stiftet Identität, wenn ich mit ihm angesprochen werde. Wenn jemand mich beim Namen ruft, tritt er in eine Beziehung mit mir. Welcher Art diese Beziehung ist, zeigt sich auch daran, wie mein Name ausgesprochen wird. Mein Name klingt hart und kalt, wenn ein Mensch mich tadelt. Mein Name klingt weich und warm, wenn ein Mensch mir herzlich zugetan ist. Wenn jemand mich beim Namen ruft, werde ich zum Du und in diesem Du werde ich zum Ich.

    Erst im Gegenüber erfahre ich, wer und wie ich bin. Um es mit Martin Buber, dem jüdischen Religionsphilosophen, zu sagen: „Der Mensch wird am Du zum Ich.“ Wir könnten wohl kaum existieren, ohne einen Namen bei den Menschen zu besitzen. Noch viel weniger könnten wir existieren, ohne einen Namen bei Gott zu haben. Gott sei Dank haben wir einen Namen bei Gott. Wir dürfen uns angesprochen fühlen, wenn Gott uns durch den Propheten Jesaja sagt: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein.“ Weil wir einen Namen bei Gott haben, müssen wir uns keine Gedanken machen, dass unsere Beziehung zu Gott abbrechen könnte. Dagegen können Beziehungen zu unseren Mitmenschen sehr wohl zerbrechen. In einer Beziehung hängt viel davon ab, dass und wie wir uns ansprechen. Ich jedenfalls mag es sehr, wenn jemand liebevoll und freundlich „Claudia“ zu mir sagt. Mehr Worte braucht es manchmal nicht, um einem Menschen zu sagen: „Ich mag dich!“

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