Evangelisches Dekanat Runkel

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Mehr als eine Geste

16.02.2019 / Pfarrerin Claudia Gierke-Heinrich

Es gibt Menschen, denen wollen wir nicht die Hand schütteln weder zur Begrüßung noch zum Abschied. Meistens tun wir es dennoch, weil es der Anstand gebietet. Wirklich angenehm ist ein Händedruck nur, wenn wir unser Gegenüber mögen. Wird uns zudem beim Händeschütteln noch ein Lächeln geschenkt, ist das sehr wohltuend. Legt die Person, die uns die Hand gibt, zusätzlich ihre andere Hand leicht auf unseren Oberarm, dann entsteht sogar persönliche Nähe. Eine solche Berührung geht weit über die Bedeutung hinaus, die ein Händedruck ursprünglich hat: „Schau her, ich habe keine Waffe in der Hand.“ Ein solcher Händedruck sagt vielmehr: „Ich habe dich in mein Herz geschlossen.“ Welche Gründe auch immer es hat, warum sich Menschen die Hand reichen. Immer berühren sich dabei Handflächen und Handlinien. Wo Menschen sich die Hand geben, begegnen sich ihre Lebensgeschichten.

Auf Linien treffen wir auch in der Kapelle des St. Vincenz-Krankenhauses in Limburg. Auf der Stirnseite hinter dem Altar hat die Künstlerin Anne Hitzker-Lubin Linien aufgetragen. Sie stellen Lebenslinien dar. Manche laufen geradeaus, andere biegen sich, drehen Kreise. Überall treffen Lebenslinien auf andere Lebenslinien. Schnittpunkte, Tangenten entstehen. Diese Linien sind Sinnbilder unseres eigenen Lebens. Egal, ob wir schnurstracks unseren Weg gehen, oder ob wir uns eine Zeitlang im Kreis drehen. Immer kreuzt sich unser Weg mit dem Weg anderer Menschen. Viele Begegnungen sind belanglos. Andere beeindrucken uns tief. Eine Begegnung kann kurz wie ein Windhauch sein. Und doch reichen ein Blick oder ein Lächeln, und wir sind so berührt, dass nichts mehr so ist wie zuvor. Wo Lebenswege sich kreuzen, gerät manches aus der Bahn. Wo Menschen sich berühren, da bewegt sich etwas.

Inmitten der Linien auf der Stirnwand der Krankenhauskapelle hängt ein Kreuz. Das Kreuz steht im Zentrum des Linien- und Bogengewirrs. Ohne das Kreuz sähen die Geraden, Tangenten und Schnittpunkte aus, als wären sie zufällig an die Wand geworfen worden. So aber sind alle Linien und Kreise auf das Kreuz bezogen. Gottes Gegenwart im Kreuz hält die Lebenslinien auf der Wand zusammen. Gott ist auch in unserem Leben gegenwärtig. Auch wenn er uns keine Hand hinstreckt. Er berührt uns dennoch, denn er gibt unserem Leben Richtung, Sinn und Halt. Und das tut gut, gerade dann, wenn alles im Leben kreuz und quer läuft.

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