Evangelisches Dekanat Runkel

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    Martin Luther und Corona

    07.11.2020 / Dekan Manfred Pollex

    Das Reformationsfest am 31. Oktober nahm ein Kollege zum Anlass, mir einen Auszug einer bedeutenden Schrift von Martin Luther aus dem Jahr 1527 mit dem Titel „Ob man vor dem Sterben fliehen möge“ zuzuschicken. Klar, zwischen der Entstehung der Schrift und unserer Corona-Pandemie liegen fast 500 Jahre. Die Pestepidemien des späten Mittelalters sind auch nicht mit unserer Situation vergleichbar. Dennoch ist vieles an Erfahrung mit der damaligen Pestseuche heute von Bedeutung.

    Zu Luthers Zeit in Wittenberg brach fünfmal die Pest aus. Viele Bürgerinnen und Bürger Wittenbergs, darunter auch Luthers Universitätskollegen, flohen und siedelten nach Jena um. Martin Luther entschied sich anders, blieb und nahm sogar Kranke in sein Haus. In seiner Schrift begründet er seine Entscheidung und äußert gleichzeitig viel Verständnis für das Verhalten der anderen. Flucht sei nicht gegen Gottes Willen. Diese läge in der Verantwortung eines jeden einzelnen. Eine Ausnahme bildeten jene, die Verantwortung für den Bestand eines Gemeinwesens mit seinen Organisations- und Hilfsstrukturen hätten: Amtspersonen, Ärzte, Pflegende und Priester zählte er dazu. Eindrücklich beschreibt Luther, warum eine Krankheit keine Strafe Gottes sei. Die Seuche käme vom Teufel und sei eine Bewährungsprobe im Glauben. Daher seien alle ärztlichen Künste und pflegerische Zuwendung notwendig und angemessen. Doch der wahre Arzt und Trostspender sei Christus.

    Unser heutiges Problem der steigenden Corona-Infektionszahlen berührt Luthers scharfe Verurteilung der Verantwortungslosigkeit. Das Fehlverhalten von nur leicht Erkrankten, die sich unter Gesunde mischten und sie dadurch ansteckten, brächte unnötiges Elend und Tod unter die Menschen. Wer dies absichtlich tue, sei sogar mit einem Mörder vergleichbar. Er schreibt: „So will ich zu Gott bitten, dass er uns gnädig sei und die Pest abwehre. Danach will ich das Haus räuchern und lüften, Arznei geben und nehmen, Orte und Personen meiden, wenn man mich nicht braucht, damit ich mich selbst nicht vernachlässige und dazu durch mich vielleicht viele andere vergiftet und angesteckt werden und ihnen so durch meine Nachlässigkeit eine Ursache des Todes entsteht. Wenn aber mein Nächster mich braucht, will ich weder Orte noch Personen meiden, sondern frei zu ihm gehen und helfen, wie oben gesagt ist. Sieh, das ist ein rechter, gottfürchtiger Glaube, der nicht tollkühn oder frech ist und auch Gott nicht versucht.“

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