Evangelisches Dekanat Runkel

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Leben verstehen

02.03.2019 / Dekan Manfred Pollex

„Wer weiß, wozu das gut ist!“ höre ich immer wieder Menschen sagen, wenn sie dem einen Sinn geben wollen, was sie heute noch nicht verstehen. Wer weiß, wozu das gut ist, dass wir uns mit dem Auto so hoffnungslos verfahren haben. Später hörten wir, dass es auf der Autobahn, wo wir eigentlich sein wollten, einen schweren Unfall mit Toten gegeben hat. Wer weiß, wozu es gut ist… Gemeint ist, was ich jetzt erleben muss, ist nicht schön. Aber es kann sein, dass es mich vor noch Schlimmerem bewahrt hat. Vom Ende her, im Rückblick, macht manches im Leben Sinn, was in der Gegenwart mehrdeutig erscheint. Das Leben wird rückwärts verstanden, aber vorwärts gelebt.

Ein armer Bauer, so erzählt eine Geschichte, hatte nur ein Pferd und einen Sohn. Eines Tages lief ihm sein Pferd davon und die Nachbarn bedauerten ihn sehr und sagten: „Was für ein Unglück!“ Aber der Bauer schüttelte nur den Kopf: „Ob es ein Glück ist oder ein Unglück, wer weiß das schon?“ Tage später kam das Pferd des Bauern mit einem Rudel Wildpferde zurück und der Bauer war auf einmal der Reichste von allen im Dorf. Wieder kamen die Nachbarn zum Bauern und sagten, was er doch für ein Glück habe, und der Bauer? Antwortete wieder: „Ob es ein Glück ist oder ein Unglück, das wird sich erst noch zeigen. Am nächsten Tag versuchte der Sohn des Bauern eines der Wildpferde zu zähmen, stürzte dabei vom Pferd und brach sich das Bein. Wieder kamen die Nachbarn zum Bauern und bedauerten ihn und meinten, was für ein Unglück er doch habe. Und der Bauer antwortete wie gewohnt: Ob es ein Glück ist oder ein Unglück, wer weiß das schon….

Tage später brach ein Krieg aus und alle jungen Männer wurden zum Militär eingezogen und mussten in den Krieg ziehen. Der Sohn des Bauers wurde wegen seinem gebrochenen Bein nicht eingezogen. Und die Geschichte endet mit dem Satz: Aus dem Krieg kamen nur wenige wieder zurück.

Erst in der Rückschau sieht man verschiedene Dinge klar, kann man vielleicht Zusammenhänge erkennen und Erlebnisse so ordnen, dass sie einen Sinn ergeben und man daraus etwas für sich lernt und begreift. In der jüdisch-christlichen Glaubenstradition geschieht Lebensdeutung als Wirken Gottes, oft geheimnisvoll und dunkel, oft als Segen und Bewahrung, so wie der Beter des 68. Psalm es formuliert: „Gelobt sei der Allerhöchste täglich. Er legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.“

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