Evangelisches Dekanat Runkel

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Kurz vor zwölf

29.09.2019 / Pfarrerin Claudia Gierke-Heinrich

Menschen können in aller Regel die Folgen ihres Handelns abschätzen. Das ist schlau. Trotzdem verhalten wir Menschen uns oft sehr dumm. Vor allem dann, wenn wir unser Leben aufs Spiel setzen, obwohl wir doch am Leben hängen. Wir fahren mit 180 km/h über die Autobahn, obwohl wir wissen, dass wir im Falle eines Unfalls sterben können. Wir wissen, wir leben viel zu ungesund, wollen aber von unserer Lebensweise nicht lassen. Wir wissen Kreuzfahrtschiffe sind Monster, wenn es um den Ausstoß von CO2 geht. Trotzdem haben wir unsere nächste Schiffs-Traumreise schon gebucht. Wir essen Fleisch von Tieren, die mit Soja aus Brasilien gefüttert worden sind, befinden uns aber mitten in einem Klimawandel.

Es wäre klug, langsamer (oder besser überhaupt kein) Auto zu fahren. Es wäre besser für uns, gesünder zu leben. Es wäre sinnvoll, alles dafür zu tun, dass uns auch morgen nicht die Luft zum Atmen ausgeht. Dazu müssen allerdings unter anderem die Rodungen im Amazonas-Regenwald zügig gestoppt werde. Schließlich produziert dieser Regenwald 20 Prozent des weltweiten Sauerstoffs. Zudem dürfen nicht mehr als 800 Gigatonnen CO2 in die Atmosphäre gelangen. Denn nur so lässt sich die globale Erwärmung auf unter zwei Grad Celsius drücken. Gelingt uns das nicht, geht uns nicht nur die Luft aus. Es wird sich auch niemand mehr an der Schönheit der Südseeinseln erfreuen können, denn die verschwinden im Meer.

Sollten also SUV verboten und Kreuzfahrtschiffe, die mit Schweröl fahren, stillgelegt werden? Sollten Geschwindigkeitsbegrenzungen und Fahrverbote eingeführt werden? Vielleicht. Begeistert wäre ich jedoch nicht. Ich mag schöne Autos, schöne Reisen und ich mag keine Menschen, die mir einen erhobenen Zeigefinger zeigen. Schon gar nicht, wenn das Menschen sind, die sich über die Plastikhülle aufregen, in der eine Salatgurke steckt, die selbst aber große Reisen zu anderen Kontinenten im Flugzeug unternehmen.

In der Diskussion um den Klimawandel geht es letztlich aber nicht darum, was ich möchte oder was ein anderer gut findet. Es geht um Gerechtigkeit. Es geht um die gleiche Verteilung von Gütern auch im Blick auf die Generationen, die kommen. Diese Gerechtigkeit hat ihren Preis. Und der drückt sich auch in Euro aus. Wenn wir die Schöpfung erhalten wollen, müssen wir alle tiefer in die Tasche greifen. Am günstigsten kommen wir dabei weg, wenn wir uns schon jetzt einschränken und uns in Verzicht üben. Damit tun wir uns selbst einen Gefallen und auch die Schöpfung wird es uns danken.

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