Evangelisches Dekanat Runkel

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    Kleinkrieg

    30.03.2019 / Dekan Manfred Pollex

    Ein ganzes Zimmer voller Spielsachen. Das Kind, das zu Besuch kommt, sieht sich erst schüchtern um. Dann greift es nach einem Spielzeug, das eigentlich unbeachtet in der Ecke liegt. „Mein Auto, mein Auto!“ schreit der, der hier zu Hause ist und schon entsteht lautes Gebrüll um das Auto. Psychologische Ratschläge kommen mir in den Sinn: „Der Kampf ums Eigentum ist normal; Kinder müssen lernen herzugeben, zu leihen...“ Mittlerweile hat der Streit eine Eskalationsstufe erreicht, die mich alle pädagogischen Feinheiten vergessen lassen. Zwei Schokoladeneispackungen bringen Hilfe. Nachdem die beiden Kinder verglichen haben, ob eins so groß ist wie das andere, ist es augenblicklich still. Das Eis kühlt offenbar nicht nur die Gemüter, sondern sorgt auch dafür, dass viele andere Spielsachen wieder in der Blick geraten. Kinder sind schnell abzulenken und noch mit einem Eis zu beruhigen. Bei Erwachsenen geht der Streit oft tiefer, doch die Muster sind die gleichen. Es geht um Besitz, um ein Erbe, um das beschädigte Auto, um eine Idee, ein Arbeitsergebnis oder einfach um das Recht, Recht zu haben.

    Die einen streiten dann wirklich so laut, dass die Wände wackeln. Andere entziehen sich, tragen ihren Ärger schlecht gelaunt mit sich herum. Sicher gibt es je nach Persönlichkeit ganz bestimmte Muster, mit Konflikten umzugehen. Oft wird in diesem Streit viel Schaden angerichtet, der nüchtern besehen in keinem Verhältnis zum Anlass steht.

    Die Szene im Kinderzimmer zeigt, was geschieht. Die Kinder sehen nur das kleine Auto. Wir sehen nur noch unseren kleinen Streitpunkt. Die übrige Welt versinkt. Es gibt nur noch das eine. Von uns selber und dem anderen gibt es nur noch Zerrbilder: Wir sind gerecht und fair, sachlich und natürlich absolut im Recht. Der andere ist böswillig, unzuverlässig, unsachlich und hat selbstverständlich Unrecht. Es ist immer wieder tragisch zu erleben, wie sich zwei Menschen, zwei Parteien, gesellschaftliche Gruppen, ganze Staaten in diese verzerrten Bilder verrennen können.

    Jesus lässt solche Zerrbilder nicht zu. Er kehrt sie um. In seiner bilderreichen Sprache klingt das so: Warum kümmerst du dich mit Hingabe um den Splitter im Auge deines Nächsten, wenn du selbst einen Balken im Auge hast? Zieh zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge. Dann kannst du dich auch um den Splitter im Auge deines Nächsten kümmern.

    Ja, der Balken im eigenen Auge tut weh. Doch wenn es uns gelingt, ihn herauszuziehen, wird unser Blick größer und weiter.

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