Evangelisches Dekanat Runkel

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    Klarblick

    09.01.2021 / Dekan Manfred Pollex

    Zu meiner Weihnachtspost gehört eine Doppelkarte mit einem Stern. Auf ihm befinden sich winzig kleine Buchstaben. Ich kneife die Augen zusammen und entziffere sie mit Mühe, klappe die Karte auf und finde noch mehr kleine Buchstaben, die wahrscheinlich auch Worte sind und ich werde über die Unleserlichkeit ärgerlich. Da entdecke ich eine kleine Lupe in Herzform, und plötzlich werden vor meinen Augen die kleinen Worte groß: Frieden, Geschwisterlichkeit, Menschenwürde, Kraft, Liebe, Besonnenheit, Nächstenliebe, Fürsorglichkeit, Zivilcourage, Zuversicht. Das also ist für den Gestalter die Weihnachtsbotschaft: Was die Welt zum guten Leben braucht, ist da, oft sehr klein und unscheinbar, kaum zu erkennen, aber es kann groß werden und eine helle Strahlkraft erhalten. Wie durch ein Brennglas erkennen wir klar, worauf es um Gottes Willen ankommt: Liebe als Geschenk empfangen und Liebe leben, weitergeben.

    Wie ein schreckliches und unfassbares Kontrastprogramm kommen mir dagegen diese Tage vor. In den Vereinigten Staaten wütet noch immer einer, der Frieden, Geschwisterlichkeit, Menschenwürde, Nächstenliebe, Zivilcourage und Zuversicht mit Füßen tritt und es gelingt ihm, seine Macht zu missbrauchen, Menschenmassen zu verblenden, zu spalten, den marodierenden Mob für sich zu mobilisieren. Der Sturm auf das Kapitol in Washington traf dieses Land ins Mark. Es war eine Kriegserklärung an seine Demokratie, wozu die Anerkennung eines legal gewählten Präsidenten gehört. Und zu dem einen, der hetzt und lügt, dem Brandstifter, gehören 70 Millionen Amerikaner, die ihn gut finden.

    Mir kommenden die warnenden Worte des Propheten Jesaja in den Sinn. Er sagte: „Wehe denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die Finsternis zu Licht und Licht zu Finsternis erklären, die Bitteres süß und Süßes bitter nennen!“ Das ist eine der ältesten Ansagen gegen Fake News, Lügengeschichten und Verdrehungen. Die Geschichte lehrt uns, dass hierin der Anfang eines großen Verderbens liegen kann. Die kleinen Worte im Stern über Bethlehem von Frieden und Geschwisterlichkeit – sie werden groß durch den Klarblick. Diesen wünsche ich uns allen.

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