Evangelisches Dekanat Runkel

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    In Zeiten der Angst

    14.03.2020 / Pfarrerin Claudia Gierke-Heinrich

    „Alle waren total hysterisch und haben vor allem an sich selbst gedacht“, antwortet eine junge Frau auf die Frage, wie ihr Bekanntenkreis auf die Nachricht ihrer Infektion mit dem Coronavirus reagierte. Die Frau, die sich bei der Arbeit infiziert hat, zitiert die Menschen in ihrem Umfeld: „Oh Gott! Nicht, dass du uns angesteckt hast!“

    Wir erleben derzeit, wie winzige, für das bloße Auge unsichtbare Teilchen die Herrschaft über die Welt übernehmen und unser Leben komplett verändern. Aus gutem Grund haben wir Angst. Manche von uns fürchten, selbst Opfer des Coronavirus zu werden. Andere sorgen sich nicht nur um das eigene Wohl. Sie fürchten, sie könnten das Virus an andere weitergeben, vor allem an Menschen, die gesundheitlich geschwächt sind. Mit ihren Befürchtungen gehen Menschen unterschiedlich um. Manche meiden den Besuch von italienischen Restaurants. Andere fahren wie sonst entspannt im überfüllten Zug zum Arbeitsplatz. Tatsächlich gibt es noch Menschen, die anderen die Hand zur Begrüßung und zum Abschied hinstrecken. Aber auch sie werden spätestens dann ins Grübeln kommen, wenn sie mit einem Infizierten Kontakt gehabt haben. Dann werden auch sie sich fragen: „Habe ich mich angesteckt?“

    Das Virus stellt unsere gesellschaftliche Solidarität infrage. Wenn wir ihm nichts entgegensetzen, sorgt es dafür, dass sich alle Regeln für ein gutes Miteinander in Luft auflösen. Bleiben aber Herzlichkeit im Umgang und Mitgefühl mit anderen Menschen auf der Strecke, dann ist das eine Katastrophe. Besonders herausgefordert sind derzeit jene Menschen, die bei ihrer Arbeit anderen Menschen körperlich nahekommen: in der Altenpflege etwa, im Krankenhaus, im Rettungsdienst, in Arztpraxen, an den Kassen in Supermärkten, in öffentlichen Verkehrsmitteln. Nicht auszudenken, was geschähe, wenn Menschen, die Tag für Tag für andere da sind, ihren Dienst verweigerten, weil sie das Schlimmste für sich selbst befürchten. In Zeiten, wo jeder um sein eigenes Wohl und um das seiner Lieben besorgt ist, wird jedoch die Mitmenschlichkeit auf die Probe gestellt. Wer sich aber in seiner Furcht einigelt, hilft am Ende weder sich selbst noch anderen. "Liebe vertreibt die Furcht“, sagt die Bibel. Wenn das so ist, dann ist gerade in Zeiten, wo die Furcht groß ist, viel Liebe gefragt.

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