Evangelisches Dekanat Runkel

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Handeln statt tatenlos zusehen

26.10.2019 / Pfarrerin Claudia Gierke-Heinrich

7. Oktober 2019, Limburg. An diesem Tag freute ich mich über eine Begegnung im St. Vincenz-Krankenhaus in Limburg, wo ich als Seelsorgerin arbeite. Dort traf ich auf einen jungen, syrischen Flüchtling in weißer Berufsbekleidung. Ich kannte ihn aus dem Unterricht in der Bildungswerkstadt, der Akademie des St. Vincenz-Krankenhauses für Gesundheitsfachberufe. Schon zu Beginn des Unterrichts hatte ich den warmherzigen, freundlichen, jungen Mann ins Herz geschlossen. Als ich ihn jetzt im Krankenhaus sah, dachte ich: ‚Der ist hier genau richtig!‘

Zum selben Zeitpunkt fuhr ein anderer Syrer mit einem LKW ein paar hundert Meter entfernt absichtlich in eine Reihe von Autos. Ich frage mich, wie muss sich der syrische Auszubildende im Krankenhaus gefühlt haben, als er von der Tat seines Landsmanns gehört hat? Sicher war er sehr betroffen wie wir alle. Aber als syrischer Flüchtling war er noch einmal in besonderer Weise betroffen. Schließlich gibt es genug Leute mit einer generell fremdenfeindlichen Haltung, die keinen Unterschied zwischen ihm und dem Täter auf der Schiede machen, auch wenn das ungerecht ist.

Menschenverachtende Ideologien, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus sind überall gegenwärtig. Aber wir schließen davor nur zu gerne die Augen. Es macht nachdenklich, wenn ein mit einem Kampfmesser bewaffneter Mann die Absperrung einer Synagoge überwindet; er wird zwar festgenommen, wird aber am nächsten Tag wieder freigelassen, weil es sich lediglich um Hausfriedensbruch gehandelt habe. Zu denken gibt auch, dass sich kaum einer aufregt, wenn sich in Texten von Rappern, welche maßgeblich die Jugend beeinflussen, neben homophoben und frauenfeindlichen Texten nun auch antisemitische Ansichten breitmachen. Nachdenklich macht es, wenn Politiker auf das Hässlichste im Internet beschimpft werden und solche Beleidigungen auch noch durch ein Gericht juristisch legitimiert werden.

In einer Gesellschaft, die offenbar viel zu oft tatenlos zusieht, wo Unrecht und Ungerechtigkeit ihren Lauf nehmen, bleiben nicht nur Religionsgemeinschaften ungeschützt. Auch Migranten müssen damit rechnen, dass sie zu Unrecht Misstrauen und Ablehnung erfahren. Es ist ein Akt der Nächstenliebe, Unschuldige zu schützen. Wir sollten deshalb sehr genau hinschauen, wo Gewalt geschieht, wo Menschen Unrecht erfahren, wo vor der Wahrheit die Augen zugemacht werden. Von der Liebe sagt übrigens der Apostel Paulus: „Sie freut sich nicht, wenn Unrecht geschieht. Aber sie freut sich, wenn die Wahrheit siegt.“ Kein Wunder, dass Liebe nur da wahr wird, wo es gerecht zugeht.

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