Evangelisches Dekanat Runkel

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    Grenzenlos

    30.05.2020 / Pfarrerin Claudia Gierke-Heinrich

    Vor einigen Tagen war ich mit einer Freundin im Wald unterwegs. Keine Ahnung, welcher Geist uns trieb, aber wir beschlossen irgendwann, den Weg zu verlassen, von dem wir wussten, dass er uns mit Sicherheit nicht in die Irre führen würde. Stattdessen wählten wir einen Weg, von dem keiner von uns wusste, wo er hinführen würde. Schließlich wurde dieser Weg zum Pfad, und der Pfad endete mitten im dichten Gebüsch. Die Frage stellte sich: Umkehren oder versuchen durchzukommen?

    Wer auf einem sicheren, bekannten Weg bleibt, muss nicht befürchten, irgendwann im Gestrüpp festzusitzen. Er wird auch niemals vor einem Bach stehen, der sich nicht überwinden lässt, oder vor einem Zaun, der den Weg versperrt. Wer aber unbekannte Wege geht, muss sehr wohl damit rechnen, dass er nicht oder nur schlecht weiterkommt.

    Manchmal gleicht es einer Mutprobe, Neues zu wagen. Die Frau, deren Ehemann gestorben ist, wollte keine neue Beziehung. Sie war ihrem Mann treu und hatte mit ihm eine glückliche Ehe. Als sie später einem netten Mann begegnete, stand sie vor der Frage, ob sie sich auf eine neue Beziehung einlassen sollte. Sie wusste ja nicht, was sie erwartete. Schließlich wagte sie es und gab ihren Gefühlen nach. Sie wurde nicht enttäuscht. Sie hatte eine Liebe gefunden, die dem Alltag bis heute standhält.

    Nicht selten führen vor allem solche Wege zum großen Glück, von denen man vorher dachte: „Das ist kein Weg für mich!“ Oft lohnt es sich, von einer alten Route abzuweichen und neues Terrain zu betreten. Im Fall des Spaziergangs mit meiner Freundin war das auch so. Während wir durch das Dickicht stolperten, kam irgendwann ein Zaun in Sicht. Ich sagte: „Oh nein, jetzt müssen wir die ganze Strecke zurücklaufen.“ Meine Freundin erwiderte: „Wo ein Zaun ist, da ist immer auch ein Weg.“ Also gingen wir weiter. Tatsächlich kamen wir zu einem gut ausgebauten Weg, der glücklicherweise nicht nur in die Richtung führte, in die wir wollten. Er führte uns auch durch eine wunderschöne Landschaft, die wir sonst nicht entdeckt hätten.

    Vor uns liegt Pfingsten. An Pfingsten kam der Heilige Geist unerwartet und ungestüm über die Urgemeinde in Jerusalem. Noch heute weht Gottes Geist wann, wo und wie er will. Aber ganz gleich, ob er sich sanft bemerkbar macht oder wie ein Sturm durch unsere Lebenshäuser fegt, immer öffnet er neue Wege und Türen und überwindet Grenzen. Wo Gottes Geist weht, ist immer ein Weg - auch da, wo ein Zaun ist.

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