Evangelisches Dekanat Runkel

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    Geschwisterliebe

    19.06.2021 / Pfarrerin Claudia Gierke-Heinrich

    In der Bibel heißt es: „Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.“ Für Schwestern und alle anderen, deren Geschlechtsidentität nicht männlich ist, scheint das nicht zu gelten. Sie zu lieben, ist dem Verfasser des Bibelverses offenbar nicht wichtig. Im Neuen Testament sind die Adressaten mehrheitlich männlichen Geschlechts. Fühlen sich andere Menschen trotzdem von der christlichen Botschaft angesprochen, müssen sie so tun, als wären auch sie gemeint, wenn ausschließlich von Brüdern gesprochen wird. Eine Pfarrkollegin ergänzt immer dort, wo „liebe Brüder“ steht: „und Schwestern“. Das ist ihre Form des Genderns. Allerdings nimmt sie damit in Kauf, dass damit der ursprüngliche Text verfälscht wird.

    Um in einer geschlechtergerechten Sprache zu sprechen und zu schreiben, propagieren die einen das Gendersternchen. Die anderen ein Binnen-I. Wieder andere wie Nachrichtensprechende im ZDF sprechen nur noch in der weiblichen Form und hängen stets ein „innen“ an. Es gibt eine Menge Leute, die diese gendergerechte Sprache nervt. Sicher, eine gendergerechte Sprache treibt zuweilen seltsame Blüten. Wenn das aber der Grund ist, warum in unserer Sprache alles beim Alten bleiben soll, dann wird das dem Ernst des Anliegens nicht gerecht. Schließlich geht es darum, Frauen und allen anderen, deren Geschlechtsidentität nicht männlich ist, jene Wertigkeit zuzusprechen, die Männer schon immer haben.

    Darf jedoch das Gendern soweit gehen, dass wir die Bibel dafür umschreiben, dass wir von „Geschwistern“ sprechen, wo „Bruder“ steht? Ich denke nicht. Es ist unehrlich, so zu tun, als wäre unsere Religion keine patriarchalische. Trotzdem sollte niemand in der Kirche heute noch ein Stiefmütterchen-Dasein fristen. Unser Zeitgeist ist zu Recht ein anderer als der vor 2000 Jahren. Und dieser Zeitgeist fordert nicht nur eine gendergerechte Sprache, dieser Zeitgeist fordert auch, dass Christen zusammen gleichberechtigt ihre Kirche gestalten. Wenn dieses Ziel erreicht ist, dann wird der „Bruder“ im anfangs zitierten Bibelvers allenfalls noch als Beispiel für das generische Maskulinum dienen. Und das generische Maskulinum ist meistens gar nicht so schlecht. Ich jedenfalls kann gut damit leben, dass alle, die an das Evangelium von Jesus Christus glauben, Christen heißen, egal zu welchem Geschlecht sie gehören.

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