Evangelisches Dekanat Runkel

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Gehalten

11.01.2020 / Dekan Manfred Pollex

Auf einem See ist ein Fischerboot unterwegs. Einer ist eingeschlafen. Ruhig gleitet das Boot über das Wasser. Plötzlich frischt der Wind auf. Die Wellen bilden weiße Schaumkronen. Ein Sturm zieht auf. Immer höher türmen sich die Wellen. Das Boot schlingert hin und her. Das Segel reißt, der Untergang droht. Verzweifelt kämpfen die Fischer um ihr Leben. Es ist kaum zu glauben, aber einer schläft. Als ob die Welt in Ordnung wäre. Die Männer rütteln ihn wach und schreien ihn an. Da steht er auf, stellt sich dem Wind entgegen und droht ihm. Das Unglaubliche geschieht: Der Sturm legt sich, die See beruhigt sich und alles wird, als ob nichts geschehen wäre.

Was damals wirklich auf dem See Genezareth geschehen ist, können wir heute nicht mehr wissen. Die biblischen Wunderberichte sprengen unsere Vorstellungskraft und sind naturwissenschaftlich nicht erklärbar. „Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind“ sagt ein Sprichwort, aber nicht jeder, der an Gott glaubt, muss an den buchstäblichen Sinn biblischer Überlieferung glauben. Die Evangelien sind Glaubens-Zeugnisse und Glaubens-Ur-Kunden einer jungen, wachsenden christlichen Gemeinde. Unter Lebensgefahr wurden die Gottesdienste im Untergrund gefeiert. Immer mehr Menschen waren davon überzeugt, dass Gott sich in Jesus Christus der Welt ganz neu und anders gezeigt hat.

Deshalb sind Wundergeschichten wie die Stillung des Sturms durch Jesus weder ins Reich der Mythen zu verweisen noch als Lüge abzutun. Als Glaubens-Ur-Kunden tragen sie eine Erfahrung durch die Zeit weiter und meinen damit auch uns. Die Fahrt über das unsichere Wasser erinnert an die Lebensreise und ist ein Bild für unser Leben. Alles scheint noch ruhig und sicher zu laufen, doch plötzlich, wie aus heiterem Himmel, bricht der Sturm herein. Der Ausgang ist ungewiss. Kentert das Boot, muss ein Schiffbruch erlitten werden, steht das Wasser einem schon bis zum Hals, gibt es noch Hoffnung auf eine Rettung? Ist da jemand, der sich in der Gefahr um uns kümmert? Ist letztlich jeder Mensch allein mit seiner Angst?

Und dann das Wunder, das nicht erklärt werden kann. Keinen Boden mehr unter den Füßen und doch gehalten und getragen werden. Manche Menschen könnten von ihrem persönlichen Wunder durch Gott berichten. Auf jeden Fall ist es gut zu wissen, dass auf der Fahrt durch das Leben einer mitfährt, der uns durch Sturm und Wellen an das sichere Ufer bringen will.

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