Evangelisches Dekanat Runkel

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    Frischer Wind

    08.06.2019 / Pfarrerin Claudia Gierke-Heinrich

    Bei der Europawahl wählten die meisten nur halbherzig eine der zur Wahl stehenden Parteien. Im Gegensatz dazu brannten plötzlich viele Jugendliche für politische Themen. Endlich, darf man sagen, denn junge Leute schienen in den vergangenen Jahren doch eher unpolitisch eingestellt gewesen zu sein. Plötzlich aber sind viele von ihnen Feuer und Flamme, wenn es um Umwelt- und Klimaschutz geht, um soziale Gerechtigkeit, um Bildungs- und Friedenspolitik. Manche von uns mögen einer Greta Thunberg kritisch gegenüberstehen, auch mit einem Kevin Künerth muss man nicht einig sein. Man braucht auch nicht dem YouTuber Rezo in seinen Argumentationen zu folgen. Aber es braucht Initialzündungen, damit Menschen überhaupt für etwas brennen.

    Das war nicht anders am Anfang der Kirche. Es war an Pfingsten, als der Heilige Geist über die Menschen in Jerusalem kam, die sich im Namen von Jesus Christus in einem Haus versammelt hatten. Plötzlich funkte es im wahrsten Sinne des Wortes. Der Heilige Geist kam wie ein Sturm vom Himmel und alle waren plötzlich Feuer und Flamme. Heute merkt man bei vielen Christinnen und Christen nicht mehr allzu viel Begeisterung für die Sache Gottes. Eine gewisse Ernüchterung hat sich eingestellt. Es ist wie in der Politik.

    Dabei brauchen wir in unserer Gesellschaft und besonders in unseren Kirchen Menschen, die sich begeistern lassen, die nicht in kritischer Distanz verharren. Wir brauchen Menschen, die für etwas brennen. Wer nur halbherzig hinter etwas steht oder sich gar abwendet, riskiert, dass am Ende nur Aschehäufchen von jenen Werten übrig bleiben, von denen alle profitieren. Unsere Demokratie ist verletzlich; der soziale Friede ist gefährdet. Nächstenliebe und Toleranz, soziales Engagement und Arbeit für Frieden und Gerechtigkeit bleiben auch in der Kirche auf der Strecke, wenn es keine Menschen gibt, die sich dafür einsetzen.

    Deshalb ist es schade, dass es Menschen gibt, die junge Menschen ausbremsen wollen, die noch für etwas brennen. Besser wäre es, sich von ihnen anstecken zu lassen - auch in der Kirche. Dabei muss keiner die eigene kritische Sicht aufgeben. Im Blick auf Pfingsten heißt das: Es gibt immer noch genug Gründe, Feuer und Flamme zu sein für Gott, auch wenn die Beziehung zu ihm nicht mehr so feurig ist wie am ersten Tag. Die Kirche ist es wert, dass sie sich nicht in Rauch und Asche auflöst.

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