Evangelisches Dekanat Runkel

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Einer der bleibt

17.08.2019 / Dekan Manfred Pollex

Ein kleiner Junge soll operiert werden. Er hat Angst. Sein Vater will ihm Mut machen und sagt, es würde schon alles gut. Darauf der Junge: „Ich habe keine Angst, wenn du bei mir bleibst.“ Der Vater verspricht es ihm, bei ihm zu bleiben, bis er wieder aufwacht.

Sie sind im Operationssaal. Alles wird für die Operation vorbereitet. Der Arzt erlaubt dem Vater, dazubleiben. Die Schwestern geben ihm Umhang und Mundschutz. Das Kind wird auf den Operationstisch gelegt. Der Vater hält die Hand. Der Narkosearzt kommt. Das Kind schaut seinen Vater an: „Du bleibst da?“ Der kleine Sohn schaut ihn durchdringend an. „Ich habe gedacht, er schaut mir bis ins Herz“, wird der Vater später, im Rückblick, sagen. „Ja, ich bleibe da.“ „Dann ist es gut.“ Die Narkose beginnt zu wirken. Der Arzt sagt: „Sie können jetzt gehen. Er merkt es nicht mehr.“ Der Vater schaut ihn an und sagt: „Ich habe meinem Jungen versprochen, bei ihm zu bleiben und das möchte ich auch tun.“ Er darf bleiben.

Als der Junge später aus der Narkose erwachte, hält sein Vater immer noch seine Hand. Da lächelt der Junge und sagt ganz leise: „Du bist da, Papa?“ und schläft wieder ein.

Vertrauen und Verlässlichkeit sind wichtige Grunderfahrungen in unserem Leben, ohne die wir es mit uns selber und mit anderen Menschen ein Leben lang schwer haben werden. Sie müssen erfahren und eingeübt werden. Der, auf den ich mich verlasse, soll sich nicht während der Narkose davonschleichen, weil ich dann doch nichts merke.

Vor einigen Monaten hatte das Evangelische Dekanat den Theologen und Psychotherapeuten Eugen Drewermann zu einem Vortrag in die Limburger Stadthalle eingeladen und er begann damit, die Angst als ein menschliches Grundproblem zu benennen. Dann sagte er etwas sehr Zentrales: „Religion hat als wichtigste Aufgabe, den Menschen in ihren Ängsten und Bedrängnissen beizustehen.“ Es ist eine gute Botschaft, wenn Religion vermittelt: Gott schleicht sich nicht davon. Er ist da und er geht mit, er hält mit uns aus. Gottes Solidarität ist grenzenlos. Wenn sich im Leben etwas auflöst, das Halt gegeben hat, sich etwas verändert, was zu schaffen macht, ist es gut zu erfahren, dass Gott einer ist, der bleibt.

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