Evangelisches Dekanat Runkel

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    Ein hoffnungsloser Fall

    15.08.2020 / Dekan Manfred Pollex

    Auf den ersten Blick habe ich sie nicht wiedererkannt: Schlank ist sie geworden, fast schon sportlich, und in ihrem freundlichen Gesicht funkeln die Augen. Anfang der 90er Jahre ist sie als Frau mit deutschen Wurzeln aus Kasachstan zu uns gekommen. Damals war sie Mitte 30, ihr Mann ebenfalls. Sie brachten zwei kleine Kinder mit. So viel Hoffnung und Glück hatten sie damals mit ihrem Entschluss, nach Deutschland auszuwandern, verbunden. Es war das Land ihrer Väter und Mütter. Alle waren stolz darauf, aus Deutschland zu stammen, neben der russischen auch die deutsche Sprache zu sprechen. Die hatten sie sich bewahrt, als Teil ihrer Identität, auch als es verboten war, deutsch zu sprechen. Ihre Religiosität, ihr christlicher Glaube gehörte ebenso dazu. Im Kommunismus war religiöses Leben verboten, also wurden Andachten im Verborgenen gefeiert und oft war es die Großmutter, die ein neugeborenes Kind taufte.

    Dann endlich zurück ins Land ihrer Mütter und Väter, ins Land, wo Milch und Honig fließen sollte. Deutschland, endlich daheim. Doch das Leben meinte es nicht gut mit ihr. Ihr Mann war plötzlich gestorben, die Kinder taten sich schwer mit der Eingliederung. Immer mehr verstummten sie bis heraus kam, dass sie wegen ihres Dialektes gehänselt wurden.

    Die Kinder wurden größer, gingen schließlich aus dem Haus. Sie arbeitete über Jahre hart an der Kasse eines Supermarktes, um die Familie irgendwie über die Runden zu bringen. Die Arbeit war nicht das Problem, aber da war so viel Anderes, woran sie litt, was sie traurig machte und verzweifeln lies. Eine Folge davon war, dass sie mit der Zeit ihr Gewicht auf 130 Kg fast verdoppelte. „Ich bin ein hoffnungsloser Fall!“ war sie sich sicher und aß den Kummer in sich hinein. Gesundheitliche Probleme, ein Schlaganfall und Frühverrentung waren die Folgen. „Ich war ganz unten und wollte nicht mehr weiterleben“, so beschreibt sie den Tiefpunkt ihres Lebens. Dann, eines Tages die innere Stimme, die zu ihr sprach: „Maria, was willst du? Willst du sterben oder weiterleben?“

    Sie habe sich für ihr Überleben entschieden und sie begann am selben Tag mit dem harten Kampf des Abnehmens, einer gesunden Lebensweise. Ihre Spiritualität habe sie auch neu entdeckt. Bevor sie ihren Tagesmarsch beginnt, geht sie in die Kapelle. „Maria hat geholfen.“ „Und die andere Maria kann sehr stolz auf sich sein!“ füge ich hinzu. Nein, Maria ist kein hoffnungsloser Fall. Gott sei Dank!

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