Evangelisches Dekanat Runkel

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    Die Mauer muss weg

    09.11.2019 / Dekan Manfred Pollex

    Es gibt Nachrichten und Erlebnisse, die brennen sich so intensiv und tief ins Gedächtnis ein, dass man sich noch nach Jahrzehnten genau daran erinnern kann. Der 9. November 1989 ist solch ein Tag, weil geschah, wovon Viele nur träumten. Die innerdeutsche Grenze zwischen der BRD und DDR fiel. In einer Pressekonferenz verkündigte der SED-Funktionär der damaligen DDR Günter Schabowski Reiseerleichterungen für DDR-Bürger ins westliche Ausland, die „sofort, unverzüglich“ in Kraft träten. Die über Rundfunk verbreitete Meldung löste einen Massenansturm auf die Grenze nach West-Berlin aus. Sprechchöre mit den Worten „Die Mauer muss weg!“ wurden immer lauter. Schließlich öffneten überforderte DDR-Grenzer die Schranken. Ost- und Westdeutsche lagen sich in den Armen; es wurden nicht nur in jener Nacht viele Tränen der Freude und inneren Bewegung geweint. Das war der Anfang vom Ende: Zwischen den beiden deutschen Staaten sollten Mauer und Grenze, Stacheldraht und Todesstreifen endgültig der Vergangenheit angehören. Diese Revolution verlief weitgehend unblutig und friedlich. Gott sei Dank! Hierbei haben die Kirchen eine zentrale Rolle gespielt.

    Heute, 30 Jahre später, haben sich neben aller Freude auch Ernüchterung und Enttäuschung breit gemacht. Ich persönlich habe von einer kirchlichen Besuchsreise in und um Erfurt die Erkenntnis mitgebracht, dass wir bestimmt zu wenig danach gefragt haben, was wir voneinander lernen können. Es fanden auch innerkirchlich kaum Begegnungen auf Augenhöhe mit ehrlichem Interesse am Anderssein des Gegenübers statt. Die Ostkirche wurde in ihren Strukturen verwestlicht. Und ließ dies zu.

    Heute, 30 Jahre später, ist die Dankbarkeit für das politische Wunder von 1989 dick überlagert von unguten Erfahrungen miteinander. Dass sich Unzufriedenheit und das Gefühl, abgehängt worden zu sein, im Osten unseres Landes in derartigen Wahlergebnissen niederschlägt, bedrückt zutiefst. Dass es daneben einen soliden Stamm von Menschen gibt, die keine Protestwähler sind, sondern überzeugte Nazis, ist für unser Land eine politische und ethische Katastrophe.

    Heute sind es die Mauern in den Köpfen, die unserem Zusammenleben ernsthaften Schaden zufügen. Deshalb ist es nicht nur für Christinnen und Christen, sondern für alle Menschen, denen Freiheit und Menschenfreundlichkeit ein Anliegen sind, an der Zeit, aufzustehen. Diese Mauern müssen verschwinden. Der Weg dahin wird lang.

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