Evangelisches Dekanat Runkel

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    Dem Rad in die Speichen greifen

    06.02.2021 / Dekan Manfred Pollex

    „Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag“. Wenige christliche Lieder sind so bekannt wie dieses. Viele Menschen wünschen es sich zur Ermutigung an Geburtstagen, zur Trauung oder als Trost bei Beerdigungen. Weniger bekannt sind die Lebensumstände, in denen der Dichter Dietrich Bonhoeffer, am 4. Februar vor 115 Jahren geboren, den Text des Liedes formuliert hat:

    Seit zwei Jahren schon sitzt er im Gefängnis der Geheimen Staatspolizei, als Gegner des Naziregimes aus christlicher Überzeugung. Nach dem misslungenen Attentatsversuch auf Hitler am 20. Juli 1944 werden Bonhoeffers Verbindungen zu anderen Regimegegnern entdeckt. Danach werden die Haftbedingungen verschärft, Angehörige erhalten keine Besuchserlaubnis mehr, der Gefangene muss mit dem Todesurteil rechnen. Nur zwei Briefe schaffen noch den Weg aus der Haft, darunter das Gedicht „Von guten Mächten...“, geschrieben zum Jahreswechsel 1944/45. Dietrich Bonhoeffer, evangelischer Pfarrer, gehört zu den beeindruckendsten und anregendsten Personen der jüngeren Geschichte.

    Er hat in vielfacher Weise Spuren hinterlassen: als Theologe, Christ und Zeitgenosse. Über kirchliche und weltanschauliche Grenzen hinaus bewegt Bonhoeffer bis heute: Durch sein leidenschaftliches Engagement für Frieden und Versöhnung, das seine Kraft aus dem Geist der Bergpredigt schöpft. Durch seine Entscheidung zum Widerstand gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft, in dem er sich zunächst innerhalb der Bekennenden Kirche und später in der konspirativen Tätigkeit für die Gruppe um Admiral Canaris engagierte. Bonhoeffer war nicht bereit, dem Unrecht tatenlos zuzusehen, er wollte auch nicht nur „die Opfer unter dem Rad verbinden“, sondern „dem Rad selbst in die Speichen fallen“.

    Dafür hat er sein Leben eingesetzt. Vor fast 76 Jahren, am 9. April 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer im Konzentrations-lager Flossenbürg hingerichtet. Es ist es hilfreich, an Dietrich Bonhoeffer zu erinnern. Denn auch unsere Zeit braucht Menschen, die ihren Glauben bekennen, das Böse bekämpfen, die nicht nur den Mund aufmachen, sondern auch etwas tun.

    In seinem Leben und Werk finden große Theologie und Zivilcourage zusammen. Beides kann für uns heute wegweisend sein. Damit wir verbunden bleiben mit anderen Menschen – und mit Gott.

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