Evangelisches Dekanat Runkel

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Das letzte Hemd

26.04.2019 / Dekan Manfred Pollex

Ich hätte wohl mitgemacht. Aber die Bestatterin und der Fotograf hatten fünfzig andere Menschen gesucht. Es wurde eine Fotoausstellung und die Freiwilligen sollten sich das anziehen, was sie gerne tragen würden – in ihrem Sarg. „Im letzten Hemd“ heißen die Bilder einer Ausstellung darüber, wie Menschen sich den Abschied von ihrem Leben in ihrem Sarg vorstellen und was ihnen dabei wichtig ist (https://www.puetz-roth.de/im-letzten-hemd.aspx). Bestimmt wird das nicht jeden ansprechen, besonders den nicht, der von diesem Thema gerade persönlich betroffen ist. Dennoch ist diese Idee auf viel Zustimmung gestoßen. Man hat sich darauf eingelassen und so wurden es Bilder von jungen und älteren Menschen in schönen Kleidern oder in schlichten. In bunten oder in weißen Hemden. Mal im Anzug, mal im Anorak. Alle legten sich mit ausgesuchter Kleidung und ihnen wichtigen Gegenständen in einen Sarg und wurden dort, als wären sie tot, fotografiert. Da wurden die Baseballhandschuhe mitgenommen, oder das Lieblingsarmband. Das Fotoalbum, die schön lackierten Fingernägel waren wichtig oder dem Handwerker die Arbeitsjacke mit Kulis und Schraubendreher in der Brusttasche. Anschließend wurde noch ein Bild von ihnen gemacht, wie sie wieder auferstehen und sich freuen. Im Liegen sind alle ernst und haben die Augen geschlossen. Das Lachen danach ist wie befreit. Wir haben dem Tod ins Auge gesehen, sagen die Bilder. Und es ist schön zu leben.

Wer an den Tod denkt, sich selbst in einem Sarg vorstellt und darin sogar fotografieren lässt, freut sich dann auch wieder über das Leben. Jedenfalls wünsche ich mir manchmal mehr von der Kunst zu leben und zu sterben. Vielleicht fängt es damit an, das Wesentliche vom Unwichtigen zu unterscheiden. Wieviel kostbare Lebenszeit wird für Unnützes vertan. Sollte ich nicht sofort damit anfangen, meine Lebenszeit zu Glück und Freude zu nutzen?

Doch irgendwann ist es dann soweit und der Tod wird meinem Leben ein Ende machen. Die Bilder der Ausstellung zeigen: Die Hoffnung ist das Beste, was das Leben zu bieten hat. Leicht ist es sicher nicht, aber nichts soll so schwer sein, dass es mir schon heute jedes Lachen nimmt. Über das letzte Hemd im Sarg. Über das ernste Gesicht, das man da macht. Und danach dann die Freude darüber, dass ich lebe. Dass ich leben darf in der Welt, die Gott gehört. Leben vor dem Tod – und Leben, ewiges Leben danach. Das haben wir zu Ostern gefeiert.

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