Evangelisches Dekanat Runkel

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    Das Dreimaleins des Christentums

    29.05.2021 / Dekan Manfred Pollex

    Im Kirchenjahr ist der erste Sonntag nach Pfingsten der Dreieinigkeit Gottes gewidmet. Er trägt den Namen Trinitatis. Gott, der Vater, der Sohn, der Heilige Geist – das sind unterschiedliche Wesensformen Gottes und doch untrennbar als Einheit miteinander verbunden. So bekennen wir bis heute Gott im Glaubensbekenntnis unserer Kirchen.

    Das Dreimaleins des Christentums heißt demnach 1 + 1 + 1 = 1. Dass dies unlogisch ist und mathematisch falsch, muss nicht betont werden. Und doch ist es der Kern christlicher Theologie. Gott war, ist und bleibt Drei in Einem. Er bildet mit seinem Sohn Jesus Christus und der heiligen Geistkraft eine Einheit. Auf diese drei Weisen tritt Gott in Beziehung, in Kommunikation zur Welt, zu uns. Die alles durchdringende Kraft dieser Beziehung und Mitteilung Gottes ist seine Liebe. Zu verstehen ist das nicht. Es gehört zum Geheimnis des Glaubens, zu einer Wahrheit, die mit der Kraft des Verstandes nicht erreichbar ist.

    Die Gleichung 1 + 1 + 1 = 1 bleibt also ein Geheimnis. Der Kirchenvater Augustin sagte einmal: „Wenn du dies begriffen hast, ist es nicht Gott.“ Da, wo der Verstand an seine Grenzen kommt, ist noch viel Raum für die Stille, die Anbetung Gottes und für die Erfahrung mit Gott. In diesem Grenzbereich kann aus einer Weltanschauung, einer Ideologie, dem Fürwahrhalten eine persönliche Gotteserfahrung werden und Glauben entstehen. Selbst große Naturwissenschaftler haben es immer wieder vorgelebt.

    In der barocken Klosterkirche von Schäftlarn bei München gibt es üppige Malereien und Plastiken. Ein Seitenaltar zeigt den Kirchenvater Augustin, der gerade ein Buch schreibt. Dabei sieht er auf das Auge im Dreieck – das Symbol der Dreifaltigkeit Gottes. Er hält eine Feder in der Hand, ein Engel reicht ihm ein Tintenfass. In der Altarumrandung sitzt ein Junge, der einen Löffel und eine Muschel in den Händen hält. Dazu wird folgende Geschichte erzählt: Der Junge spielt am Strand. Augustin kommt vorbei und fragt ihn: „Was machst du da?“ Der Junge antwortet: „Ich schöpfe das Meer in die Muschel.“ Augustin sagt: „Das wird dir nicht gelingen. Das Meer ist viel zu groß.“ Der Junge entgegnet: „Und was machst du? Du willst Gott, der viel weiter und tiefer ist, zwischen zwei Buchdeckel einschließen?“

    Die Geschichte überliefert, dass Augustin sehr nachdenklich weitergegangen sei.

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