Evangelisches Dekanat Runkel

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    Brüchige Einheit

    16.10.2021 / Dekan Manfred Pollex

    Neulich war ich wieder einmal in Berlin. Was für eine besondere Stadt! Der Reichstag, gegenüber das Bundeskanzleramt, in der Nähe das Brandenburger Tor. Dann die Bernauer Straße, an der direkt die Mauer zur DDR entlang führte. Wie viele Menschen haben zu jener Zeit versucht, hier, an der Bernauer Straße, in den Westen zu fliehen? Seit 1998 ist ein Teil der Straße die Gedenkstätte Berliner Mauer und damit der zentrale Erinnerungsort der deutschen Teilung.

    Ich sehe mich im ehemaligen Osten und im Westen der Stadt um. Ist hier wirklich zusammen gewachsen, was zusammen gehört? Auch heute noch steht fest: Über die frühere Grenze ist nur äußerlich Gras gewachsen. Wie unterschiedlich die Mentalitäten nach mehr als 30 Jahren immer noch sind, bezeugen aktuell die Wahlergebnisse in Ost und West. Es fällt schwer, diese zu akzeptieren, geschweige denn zu verstehen.

    Von außen zeigt sich vieles herausgeputzt in einem neuen Licht, aber hinter den Fassaden wohnen die Unzufriedenheit, die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes oder der Wohnung, das Bewusstsein, abgehängt worden zu sein von Fortschritt und Wohlstand. Dann die Vielen, die einfach gekommen sind, um zu bleiben. Jährlich sind es mindestens 30.000 in Berlin. Niemand weiß das so genau. Abends herrscht unter Brücken und Dächern bedrückende Enge. Die Obdachlosigkeit ist extrem. So verelenden Menschen massenweise in einer Stadt.

    Auch die Kirchen der ehemaligen DDR sind enttäuscht. Sie haben nicht nur Menschen verloren, sondern auch an Bedeutung eingebüßt. Von ihnen erwarten nur noch wenige kraftvolle Anstöße zu großen Veränderungen. Demokratie, Freiheit, Vielfalt und Toleranz – diese Werte unserer Zivilgesellschaft werden rechtspopulistischen Rattenfängern nur allzu leicht geopfert und eingetauscht gegen Hass und totalitäre Ansichten. Die sozialen Netzwerke sind voll davon. Dabei ist klar: Kein politisches System kann dem persönlichen Leben Halt und Sinn geben, sondern bestenfalls den Rahmen dazu schaffen. Hier sind nicht nur die großen Kirchen als Institutionen gefordert.

    Bei der Frage, was einem Leben letztendlich Sinn und Halt gibt, Trost im Leben und im Sterben, was in aller Veränderung Bestand hat und Wunden heilen kann, sind wir alle herausgefordert. Christinnen und Christen bezeugen einen Gott, der in Jesus Christus Liebe gelebt hat und solidarisch war. Einen Gott, der nicht nur heilen kann, sondern selber das Heil für alle ist.

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