Evangelisches Dekanat Runkel

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Am Ende des Weges

20.07.2019 / Dekan Manfred Pollex

Ein Anruf bringt mich zurück an den Anfang meines Pfarrdienstes. Manche Erfahrungen und Eindrücke der ersten Zeit als Gemeindepfarrer verblassen auch nach 34 Jahren nicht. Dazu gehört die gute Zeit mit jener Familie, dessen Mutter jetzt anruft. Sie erzählt mir, ihr Mann habe eine Krebsdiagnose erhalten. Die verbleibende Zeit sei kurz. Und dann kam die Bitte, ob ich ihn, wenn es soweit wäre, beerdigen könne. Das sei sein Wunsch.

Nach einigen Tagen mache ich dort einen Besuch. Meine steigende Anspannung signalisiert mir: Ich bin unsicher, was und wer mich nach so langer Zeit erwartet. Die beiden erzählen von der Diagnose, die wie der Blitz aus heiterem Himmel in ihr Leben einschlug. Die Koffer für den Urlaub waren schon gepackt. Und dann war plötzlich kaum noch etwas so wie vorher. Schock, Verzweiflung, Weinen. Dann sagt mein alter krebskranker Bekannter: Ich würde heute nicht so bewusst leben. Ich bin viel aufmerksamer geworden für die kleinen Dinge und dankbar für jeden neuen Tag.

Es berührt mich, wenn ich einen Menschen sagen höre: meine Krankheit verlangt mir viel ab, aber sie hat mir auch etwas gebracht. Das zeigt mir: Es gibt für manche auch eine kleine leichte Seite der Krankheit. Es kann sein, dass Menschen in der Krankheit mit anderen und mit Gott etwas erleben, von denen sie vorher keine Ahnung hatten.

Ich erfahre von der Frau: Unser Leben ist anders, seit wir wissen, dass mein Mann Krebs hat. Jeder Tag ist ein Geschenk. Miteinander aufwachen. Gemeinsam frühstücken. Wenn das Wetter es zulässt, machen wir einen kurzen Gang nach draußen. Fast jeden Tag gibt es noch einen freudigen Augenblick und ganz tiefe Gespräche, auch mit den Kindern, wenn sie zu Besuch kommen. Und manchmal sitzen wir da und lachen, weil wir uns an lustige Dinge erinnern. Am schwersten sind die Tage, wenn die Schmerzen kommen und er keinen Mut mehr hat. Dann kann er sagen: Das hat doch keinen Sinn, das lohnt nicht mehr. Im liebsten würde ich noch heute gehen. An solchen Tagen kommt auch meine Kraft ins Wanken.

Wie es weitergeht? Wir wissen es nicht. Aber dankbar nehmen wir jeden Tag, wie er uns geschenkt wird. Und manchmal staunen wir, wie gut es geht – trotz der Krankheit. Nach dem Besuch weiß ich: so kann nicht jeder mit seiner Krankheit umgehen. Bestimmt kann man auch nicht an jedem Tag so dankbar sein. Jeder Tag ist wieder anders, aber Gott geht mit – an allen Tagen und Nächten. Es hilft, darauf zu vertrauen.

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