Evangelisches Dekanat Runkel

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Als die Synagogen brannten

10.11.2018 / Dekan Manfred Pollex

80 Jahre ist es her. In den Stunden vom 9. auf den 10. November 1938 wurde in ganz Deutschland damit begonnen, über 1000 Synagogen , jüdische Gotteshäuser, rund 7500 jüdische Geschäfte und hunderte von Wohnungen niederzubrennen, Menschen jüdischen Glaubens zu misshandeln und zu töten, sowie Tausende in Konzentrationslager zu verschleppen. Diese Massenausschreitung gegen eine Minderheit war eine entscheidende Stufe auf dem Weg zum millionenfachen Mord in Deutschland, dem Holocaust. In Limburg, in Hadamar, in Schupbach und anderswo in unserer Region ist es in dieser Nacht ähnlich abgelaufen. Nicht alle jüdischen Gotteshäuser fielen den Flammen zum Opfer. Manche standen zu dicht an benachbarten „christlichen“ Häusern, weshalb die Brände im Keim erstickt wurden. Aber sie wurden entweiht und ihr Inneres zerstört. Andere brannten. Wie in Limburg. Die Stadt schreibt auf ihrer Homepage: „Am 9. November 1938 zerstörten SS-Leute vom Sturm 7/78 das Gotteshaus. Der im Anbau wohnende Hausmeister konnte sich nur mit knapper Not über das Dach retten. Das Gebäude brannte aus. Am nächsten Morgen setzte die Plünderung ein. Was nicht den Flammen zum Opfer gefallen war, wurde zerschlagen und auf die Schiede geworfen. Dann wurde die Synagoge unter Wasser gesetzt.“ Sie wurde erst im Jahr 1902 errichtet und stand direkt gegenüber dem Amtsgericht. Eine Plakette, eine Gedenktafel und ein Bronzemodell erinnern an ihre Existenz.

Dabei waren die Juden doch „gute Deutsche“ gewesen: Zu beiden Seiten der Lade mit der heiligen Thorarolle, dem Wort Gottes, befanden sich Tafeln mit den Namen derer, die als deutsche Soldaten im Krieg ihr Leben gelassen hatten. Diejenigen, die da mitmachten und die Gepeinigten – sie kannten einander von Kindesbeinen an mit Namen, waren in denselben Vereinen gewesen. Und diejenigen, die da mitlachten, spotteten, plünderten und spuckten, kamen aus „der Mitte der Gesellschaft“. Herbst 2018 in Deutschland. Es ist wieder gefährlich geworden, sich durch äußere Zeichen als Jüdin und Jude erkennbar zu machen. Es ist gefährlich geworden, als Schwarzer, als Syrer, Äthiopier öffentlichen Raum zu betreten. Besonders im Osten gibt es „no go areas“. Sogar Spitzenpolitiker sind als Brandstifter unterwegs. Nicht durch Taten, sondern mit ihren Worten: „Asyltourismus“, „die Flüchtlingsfrage“. Sie erinnert an die „Judenfrage“, die man 1938 wie geschehen zu lösen trachtete. Wohin führen diese Wege? Menschenwürde und die Ehrfurcht vor dem Leben –sind das keine gemeinsamen Werte mehr?

Versöhnung, Nächstenliebe und Gottesebenbildlichkeit umfassen alle Menschen. Es sind christliche und jüdische Werte. Wohin schauen wir, wenn sie mit Füßen getreten werden?

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