Evangelisches Dekanat Runkel

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    Adios

    01.02.2020 / Dekan Manfred Pollex 

    „Adios“ rief mir die Spanierin nach. Nur ein Wort und doch so inhaltsreich. „Zu Gott“ oder treffender: Gott befohlen. Ein schöner Abschiedsgruß, wie ich finde. Das Gegenüber wird der Fürsorge Gottes anbefohlen. In der spanischen Sprache hat sich ein zutiefst christlicher Wunsch bewahrt und wird selbstverständlich weitergegeben. Adios. Gott befohlen! Ein frommer Wunsch mitten in unserer sonst so weltlichen Sprache.

    Nicht nur die Spanier kennen das, genauso verabschieden sich auch Portugiesen. Franzosen haben ihr „Adieu“ und die Schwaben ihr „Adé“. Die Bayern hingegen lassen es beim Deutschen und verabschieden sich mit einem verschliffenen „Behüt dich Gott“, „Pfiad di Gott“. Dieser fromme Wunsch, fast segenshaft, ist eine Glaubensspur in der Sprache. Der Glaube hat eben durch die Jahrhunderte nicht nur Kultur und Kunst, Architektur und Regeln des Zusammenlebens geprägt, sondern auch die Sprache. Und damit auch die Art und Weise, wie Menschen sich begrüßen und verabschieden. Das ist ja durchaus wichtig. Wer jemanden grüßt, wertschätzt ihn. Sich zu grüßen –und dazu gehört auch der Abschiedsgruß- setzt ein vertrauensvolles Verhältnis voraus.

    Durch kaum etwas Anderes lässt sich die Missachtung des Gegenübers besser ausdrücken, als ihn nicht zu grüßen. Sich zu grüßen bedeutet Wertschätzung und wo sie ausbleibt, bleiben Enttäuschung und Verärgerung. Wie bei Donald Trump, als er unserer Kanzlerin die Hand nicht gereicht hat.

    Klar, wie ein Gruß auszusehen hat, das ist von Kulturkreis zu Kulturkreis verschieden. Knigge hat es bei uns festgelegt: der Jüngere etwa grüßt den Älteren, der Rangniedrige den Ranghöheren zuerst und so weiter und so fort. Alles ist klar geregelt.

    Dennoch bedeutet sich zu begrüßen und sich zu verabschieden vor allem Wertschätzung, gegenüber dem Alter, gegenüber dem Rang oder aber gegenüber der Person, bedeutet Nähe oder Sympathie füreinander. Und dort, wo sich eine menschliche Beziehung in besonderer Weise verdichtet hat, fällt der Abschied ja besonders schwer.

    Wie schön, wenn der Abschiedsgruß dann so etwas Segnendes hat wie in Spanien oder Frankreich. Da, wo ich loslassen muss, den Anderen ziehen lasse, für ihn nichts mehr tun kann, darf ich ihn Gott anbefehlen. Gleichgültig in welcher Situation. An der Haustür, am Flughafen, im Krankenhaus oder gar am Sterbebett. Tschüss und Tschö. Damit befehlen wir Menschen, von denen wir uns verabschieden, ebenso Gott an. Und das ist das Beste, was wir tun können. In diesem Sinne wünschen ich Ihnen allen von Herzen: „Gott befohlen, Adé, Adios, Adieu,Tschüss und Tschö“.

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