Evangelisches Dekanat Runkel

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    Tag der Befreiung

    Gemeinfrei/WikipediaGeneraloberst Alfred Jodl unterzeichnet im Auftrag des OKW die Kapitulationsurkunde. Reims, 7.5.1945

    Heute vor 75 Jahren, am 8. Mai 1945 ging der Zweite Weltkrieg in Europa offiziell zu Ende. Dieses Ende besiegelte die Unterschrift von Generaloberst Alfred Jodl auf der Kapitulationsurkunde, wie auf dem heutigen Bild zur Andacht zu sehen ist.

    Seitdem tobt ein Streit um die Deutung dieses Tages. Tag der Befreiung, Tag der bedingungslosen Kapitulation, Victory-in-Europe Day, Stunde Null oder, wie es dieser Tage aus rechten Kreisen wieder zu hören war, Tag der absoluten Niederlage und Tag des großen Verlustes.

    Noch 1970, zum 25. Jahrestag, wehrten sich konservative Politiker im Bundestag dagegen, diesem Tag irgendeine Erinnerung zukommen zu lassen: „Niederlagen feiert man nicht!“ hieß es dazu.

    Erst Bundespräsident Richard von Weizsäcker sprach es in seiner vielbeachteten Rede zum 40. Jahrestag am 8. Mai 1985 klar und deutlich aus: Es war „ein Tag der Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“

    Dietrich Bonhoeffer wurde genau einen Monat vor Kriegsende, am 9. April 1945, von den Nazis ermordet. Noch in der Haft hat er sich mit dem Begriff der Freiheit auseinandergesetzt und ihn in seinen verschiedenen Bedeutungen differenziert: „Das Freisein von etwas erfährt seine Erfüllung erst in dem Freisein für etwas. Freisein allein um des Freiseins willen aber führt zur Anarchie.
    Freiheit bedeutet biblisch: Frei sein für den Dienst an Gott und am Nächsten, Freisein für den Gehorsam gegen die Gebote Gottes. Das setzt voraus: Freisein von jedem inneren und äußeren Zwang, der uns an diesem Dienst hindert.“ (aus: Dietrich Bonhoeffer, Konspiration und Haft 1940-1945)

    Und heute? Beteiligen wir uns an den Diskussionen über Befreiung und Freiheit – dieses Thema wird nie zu Ende sein.

    Im Brief des Paulus an die Galather steht: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“ (Gal 5,1).

    Freiheit ist also immer ein relativer Begriff – welche Freiheit meinen wir? Und welches Joch welcher Knechtschaft ist hier gemeint?

    Heute wollen Menschen frei sein von Krieg und Verfolgung und sitzen fest in Flüchtlingslagern. Andere sehnen sich nach der Befreiung von einer schweren Krankheit. Und nicht zuletzt, in diesen Tagen der Corona-Pandemie, wollen die einen frei sein vom Mundschutz, die anderen wünschen sich die vertraute Nähe zu ihren Mitmenschen oder die Reisefreiheit zurück und wissen, dass es noch Geduld braucht, bis es wieder soweit ist.

    Was ist Ihr persönlicher Tag der Befreiung?

    Peter Wagner, Öffentlichkeitsarbeit im Ev. Dekanat Runkel

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