Evangelisches Dekanat Runkel

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Berührung

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„Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater“ sagt Jesus zu Maria am Ostermorgen, als sie dem Auferstandenen im Garten begegnet. (Joh 20, 17) Dieser Bibelvers ist in diesen Tagen in meinen Gedanken.

Wir sind immer noch in schlimmen Zeiten. Das Corona Virus hat uns weiterhin fest im Griff. Die Infektionszahlen sind wieder gestiegen. Aus Furcht vor Ansteckung sind Berührungen mit Menschen außerhalb der Familie, mit der man zusammen wohnt, untersagt. Händeschütteln und Umarmungen sind nicht erlaubt. Auch Streicheln und Berührungen dürfen nicht sein. Ich finde das schlimm.

Einander die Hand reichen zum Begrüßen und Verabschieden schafft immer eine Nähe und eine Verbindung. Ich vermisse das Händereichen als Willkommensgruß. Ich mache Geburtstagsbesuche und darf den Geburtstagskindern nicht gratulieren. Die alten Menschen stehen verunsichert an der Haustür oder schauen aus dem Fenster und wir reden ein paar Worte zusammen. Ich vermisse den Abschiedsgruß und die Umarmung mit Freunden. Ich vermisse das Händeschütteln zum Abschied an der Kirchentür. Im Händedruck kann ich Gefühle ausdrücken, wieviel mehr bei einer Umarmung. Jetzt, wo wir es nicht mehr dürfen, merken wir, wie sehr es uns fehlt.

Dabei wenn man in die Jahre zurückschaut, dann wissen unsere Großeltern, dass man früher immer den Abstand zueinander hatte. Das hatte mit Achtung und Respekt zu tun. In vielen Ländern ist das auch heute noch so. Im Japan und anderen asiatischen Ländern verbeugt man sich vor einander. Auch in den afrikanischen Ländern gibt es einen Achtungsabstand. Ich kenne es aus Ghana und Togo. Dort findet die Begrüßung und Verabschiedung ohne Hände schütteln und ohne Umarmen statt. Der Respekt und die Achtung vor dem anderen ist dort sogar so weit ausgeprägt, dass auf den übervollen Märkten mit großen Menschenansammlungen keine und keiner den anderen berührt. Wenn man zum ersten Mal in Afrika ist, gehört dies zu einer neuen Erfahrung.

Wir leben in Europa. In Frankreich begrüßen sich die Menschen mit einem Küsschen auf die Wange. Auch das ist jetzt nicht mehr erlaubt.

Ich überlege, wie ich Nähe und Sympathie anders ausdrücken kann. Das Händeschütteln und das Umarmen sind Zeichen und Gebärden für Beziehung, Kontakt und Nähe und oft ohne Worte. Ich bemerke, dass ich jetzt öfter meine Gefühle ausspreche. „Wie schön, dass wir uns sehen!“ – „Ich freue mich, dass du da bist!“ „Das war ein schönes Gespräch miteinander!“ Gestern habe ich den Kirchenrasen gemäht. Da kam eine junge Frau auf dem Fahrrad, die ich lange nicht gesehen habe. Wir haben miteinander geredet, wie es uns geht, was die Coranazeit mit uns macht. Im Gespräch waren wir uns ganz nah, auch wenn wir großen Abstand hatten, über den Kirchenzaun auf die Straße.

Wenn ich zu meiner 89 jährigen Mutter fahre, dann spüre ich, wie sehr auch ihr die liebevolle Umarmung fehlt. Wenn ich von ihr fortfahre, schaut sie mir immer aus dem Fenster hinterher und schickt mir kleine Handküsse nach. Das berührt mich sehr.

Lieb gewordenen Gesten müssen wir jetzt durch liebe Worte ersetzen. Wir können telefonieren, wir können Emails und WhatsApp Nachrichten verschicken. Wir können Briefe schreiben. Es ist ein besonderes Geschenk, einen handgeschriebenen Brief zu bekommen. Immer wieder nehme ich ihn zur Hand und lese ihn mehrmals. Was da steht, ist gewiss und bleibt.

„Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu.“(Prediger 9,10)

Hände schütteln ist grade nicht möglich, aber mit unseren Händen Gutes tun, ist immer möglich, wieviel besser und zuversichtlicher mit der Kraft Gottes.

Bleiben Sie behütet!

Bettina Bender, Pfarrerin in Wolfenhausen-Haintchen und Blesssenbach
Telefon 06475/525, Email: bettina_bender@gmx.de

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