Evangelisches Dekanat Runkel

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Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren

(c) Photodisc.com

Meine Mutter ist 83 Jahre alt und lebt allein. Ich habe sie immer bewundert, wie sie ihr Leben nach den Tod meines Vaters gestaltet hat. Alleine ist sie ins Café oder Restaurant gegangen. Und sie hat rege am Leben der Kirchengemeinde teilgenommen. Gottesdienstbesuch und Kirchenkaffee waren selbstverständliche Programmpunkte am Sonntag. Auch Gesprächskreis, Seniorenfrühstück und Gemeindestammtisch waren feste Termine, die sie gerne wahrgenommen hat. Jetzt fällt das alles weg.

Ich habe meine Mutter zuletzt Anfang März gesehen, wenige Tage nach ihrem Geburtstag. Obwohl ich mehr Zeit als sonst habe, bin ich seitdem nicht mehr bei ihr gewesen. Aus Vorsicht. Das tut weh. Ich versuche zumindest, öfter anzurufen. Und ich weiß ja, dass sie noch vor die Tür geht, um Besorgungen zu machen. Außerdem liest meine Mutter gerne und viel. Das tröstet mich. Trotzdem mache ich mir Sorgen, was diese Zeit mit ihr macht.

So wie ich mir Sorgen mache um Menschen in der Gemeinde, die nun mit einem Mal alleine zuhause sitzen und nur noch selten vor die Tür gehen können. Und was ist mit denen, die im Pflegeheim leben und keinen Besuch mehr bekommen können? Ich weiß, dass die Menschen, die dort arbeiten, sich große Mühe geben. Die Mitarbeiter*innen des Sozialdienstes kümmern sich um die Menschen und versammeln sie in kleinen Gruppen zu Angeboten. Es gibt sogar die Möglichkeit zu skypen. Die ungezwungene Begegnung in der Caféteria und den Besuch der Lieben kann das aber nicht ersetzen. Besonders hart trifft es die, deren Ehepartner noch in der eigenen Wohnung lebt. Manch eine und manch einer war täglich da.

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren! So heißt es in den 10 Geboten. Ich habe das immer sowohl persönlich verstanden als auch gesellschaftlich. Wir alle sind verantwortlich für die ältere Generation, für die eigenen Eltern und für die Menschen, die in unserem Umfeld leben. Und ich finde es auch beeindruckend, wie junge Menschen sich engagieren: zum Einkaufen fahren zum Beispiel für andere, die das gerade nicht können. Eine Lehrerin, die die Kinder in ihrer Klasse Briefe schreiben lässt an Menschen im Pflegeheim. Und wir alle wollen ja mit unseren Kontaktbeschränkungen gerade unsere Eltern und Großeltern schützen und sie vor einer möglichen Ansteckung bewahren.

Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die darüber nachdenken, älteren Menschen zu verbieten, das Haus zumindest zeitweise zu verlassen, damit alle anderen wieder mehr ihre Freiheit haben. Doch auch jemand wie meine 83jährige Mutter braucht frische Luft und Bewegung. Sonst verkümmert sie. Und sie braucht menschliche Kontakte – nicht nur am Telefon. Vielleicht kann ich doch demnächst mal hinfahren.

Eine schwierige Situation. Und es ist schwer zu sagen, was nun richtig ist.

Wie geht es Ihnen damit? Ich freue mich, wenn Sie mir Rückmeldung geben,

Pfarrerin Katrin Adams, Limburg, E-Mail: adams@evangelisch-limburg.de
Tel. 06482-91077

Hört mir zu,
ihr vom Hause Jakob und alle,
die ihr noch übrig seid vom Hause Israel,
die ihr von mir getragen werdet
von Mutterleibe an und vom Mutterschoße an mir aufgeladen seid:
Auch bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen,
bis ihr grau werdet.
Jesaja 46, 3.4

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