Evangelisches Dekanat Runkel

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Das Ende der Eindeutigkeit

Foto: Peter Wagner

Man sehnt sich direkt nach der Klarheit von vor 4 Wochen zurück. Da hat der Staat das Versammlungsverbot ausgesprochen, das alle Religionsgemeinschaften betroffen hat: Die christlichen, die jüdischen und die muslimischen Versammlungen und die aller anderen Religionsgemeinschaften auch. Eben alle waren in ihrer normalen „Religionsausübung“ eingeschränkt. Alle waren aber auch bereit, für die Gesundheit der Gemeinschaft, auf Normalität zu verzichten. Viele kreative Ideen wurden bei uns entwickelt, wie man dennoch Kontakt zu seinen „Schäfchen“ halten kann. Die Fernsehgottesdienste, die normal eher von Älteren in Anspruch genommen werden, haben plötzlich auch Konfirmanden mit ihren Eltern geguckt. Online-Gottesdienste aller Art konnte man anklicken.

Wohnzimmergottesdienste mit einfachen Telefonleitungen. Ja sogar Autokinos, an die kaum noch einer gedacht hatte, wurden reaktiviert, um miteinander Gottesdienste feiern zu können. Die regionalen Print-Medien stellten Platz für Andachten zur Verfügung, denn in den Vereinen ist ja gerade nicht viel los und so ist Platz geschaffen in den „Blättchen“. Da war eine Stimmung des „Wir schaffen das“ und wir erlebten sogar eine gewisse Euphorie und eine Freude an den kreativen Ideen Anderer.

Wir haben nun erlebt, dass trotz vieler Warnungen im Vorfeld „Öffnungsdiskussionsorgien“ ausgebrochen sind, wie unsere Kanzlerin. Das verunsichert viele Menschen zusätzlich. Gefährlich erscheint mir dabei die „die Anderen dürfen auch-Argumentation“. Dass einige Kirchenvertreter sich dem anschließen, sehe ich kritisch. Natürlich ist es schade, dass wir keine Gottesdienste feiern können, wie wir es gewohnt sind. Aber Normalität ist ja wohl im Moment kaum der Maßstab. Ich verstehe, dass Geschäftsleute, die um ihre Existenz fürchten müssen, ungeduldig sind. Die Ungeduld der Kirche verstehe ich nicht. Ihr würde etwas mehr Gottvertrauen gut anstehen.

Ich persönlich hätte es gut gefunden, wenn die Kirche zum Wohle aller noch weiter Geduld bewiesen hätte und mit dieser Ansicht stehe ich unter den Kollegen nicht alleine. Die Kirche gibt es seit über 2000 Jahren, weitere 4 Wochen ohne „Live-Versammlungen“ hätte sie auch nicht untergehen lassen, denn es ist nicht unsere Kirche, sondern die Kirche Jesu Christi. Nun ist eine Dynamik entstanden, der sich kaum eine Kirchengemeinde entziehen kann, auch wenn, was sogar in der Tagesschau am Sonntag erwähnt wurde, die evangelische Kirche mehr Geduld beweist als die katholische und die gibt es ja, scherzhaft gesagt, noch länger als uns.

Morgen erwarten wir neue Instruktionen unserer Kirche, unter welchen Auflagen wir ab dem 10. Mai Gottesdienste feiern dürfen. Diese Auflagen werden so streng sein, dass es kaum etwas mit unserer normalen „Versammlungsfreude“ zu tun haben wird. Das wird wenig an die Gottesdienste erinnern, die wir immer gerne in unseren Gemeinden gefeiert haben. Gut finde ich, dass wir jetzt schon die Zusage unserer Kirche haben, dass keiner zu Gottesdiensten gezwungen werden kann. Unterschiedliche Einschätzungen werden respektiert.

Wir werden in den nächsten Wochen damit umgehen müssen, dass nicht nur Virologen und Politiker die Situation unterschiedlich einschätzen, sondern auch Kirchenvertreter, Pfarrer und Kirchenvorsteher. Wir werden neu lernen müssen, einander in der unterschiedlichen Bewertung der Lage zu respektieren und zu akzeptieren. Auch das ist die Aufgabe der Kirche Jesu Christi, gerade in dieser Zeit, Gemeinschaft leben in der Verschiedenheit.

Gebet

Herr, wir sind traurig, dass wir uns nicht - wie gewohnt - in deinem Namen versammeln können, um dich zu loben, mit Gesang und Leichtigkeit und frohem Herzen.
Wir bitten dich für die Kirchen in der Welt um Weisheit, um Vorsicht und Besonnenheit.
Lass uns nicht Angst haben davor, etwas zu versäumen, sondern gib uns die Gelassenheit, dass du deine Kirche durch die Jahrhunderte geführt hast und uns auch durch diese Zeit führen wirst.
Sei du bei allen, die unter der unklaren Lage leiden und ihr seelisches Gleichgewicht verlieren.
Sei du bei allen, die erkrankt sind und um ihr Leben fürchten.
Stärke die, die ihr eigenes Leben riskieren für das Leben Anderer.
Sei du auch bei denen, die nicht wissen, wovon sie die ganz praktischen Ausgaben des Alltags bezahlen sollen.
Und halte du uns alle in deiner Hand.
Amen.

Konstanze Buddruss, Pfarrerin in Weilmünster, Tel.: 06472-911066
pfarramt-weilmuenster@t-online.de

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