Evangelisches Dekanat Runkel

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    Aufbruch

    Foto: Peter Wagner

    Die ersten Schulen öffnen wieder, für die Abschlussklassen nur, aber immerhin. Nicht mehr lange, dann macht auch der Friseur wieder auf. Und für die Kitas soll wohl am Mittwoch ein Fahrplan ausgearbeitet werden, wie auch hier der Betrieb wieder aufgenommen werden kann.

    Eine langsame Rückkehr zur Normalität also?

    Vielleicht erleben wir gerade eher die Entwicklung einer ganz neuen Normalität: Schule mit Sicherheitsabstand zwischen den Jugendlichen und Kindern, denn der schützt ja immer noch mehr als jede nicht-medizinische Maske. Deshalb auch beim Friseur bitte keine Gesichtsbehandlungen (Augenbrauen, Bart) und erst recht keine Bewirtung – das wäre viel zu gefährlich.

    Wir entwickeln gerade einen neuen Lebensstil, eine Art „Corona-Kultur“. Wie kann ein Leben unter diesen Bedingungen von Abstand und Hygiene aussehen? Ein Lebensstil, der sich auch für Monate durchhalten lässt? Im Umgang mit dem Coronavirus wäre eine möglichst lange Isolation der hilfreichste Weg. Doch wie viel Freiraum und wie viel Nähe brauchen wir unbedingt – für den Lebensmut, für die Wirtschaft, für die Entwicklung oder den Erhalt von sozialem Verhalten, für die Menschlichkeit? Welche neuen Ideen haben wir, um diese Bedürfnisse auf sicherere Weise zu stillen, also mit größerem Abstand zu einander?

    Das ist wie ein Aufbruch ins Ungewisse im eigenen Land. Wir müssen uns nicht von vertrauten Häusern und Straßen trennen, aber von vertrautem Verhalten. Das geht aber eigentlich nur, wenn man sich stattdessen ein neues Verhalten aneignet: ein Verhalten, das zu dem Maß an nötiger Sicherheit und nötigem Miteinander passt.

    Vielleicht finden wir erst nach einer Weile heraus, wie ein Leben in dieser Welt mit Corona für uns auch auf die Dauer stimmig ist. Vielleicht braucht es dazu den einen oder anderen Umweg. Vielleicht werden wir demnächst die einen Beschränkungen wieder zurücknehmen können, während andere wieder eingeführt werden müssen. Hoffentlich entwickeln wir zugleich neue Formen des verbindlichen Kontakts zu einander – auf Abstand, aber von Herzen. Denn „aus den Augen“ muss ja nicht gleich „aus dem Sinn“ bedeuten.

    Mir geht dazu eine Geschichte vom Anfang der Bibel durch den Kopf. Da ruft Gott Abraham zum Aufbruch: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein.

    Abraham muss sich von allem Vertrauten lösen. Aber möglich ist ihm dies, weil er um Gottes Verheißung weiß: Gott schickt ihn nicht alleine los. Nein, Gott wird ihm selbst den Weg weisen. Und Gott will ihn segnen. Ja, Abraham selbst soll anderen zum Segen werden.

    Wir sind nicht Abraham. Aber Gottes sagt seinen Segen auch heute denen zu, die sich auf ihn verlassen. Denen, die mit Gott gemeinsam auf der Suche sind nach Segen in dieser Welt und Segen für diese Welt.

    Also machen wir uns auf den Weg, trotz Corona, in dieser Zeit mit Corona. Machen wir uns auf den Weg und lassen wir uns überraschen, was es alles zu entdecken gibt in dieser neuen Welt. Spüren wir Gottes Segen nach und finden wir Wege, anderen selbst zum Segen zu werden.

    Pfarrerin Cornelia Stock, Evangelische Kirchengemeinde Weilburg

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