Evangelisches Dekanat Runkel

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Haarige Zeiten

Foto: Peter Wagner

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Gebet
Du hältst uns in deinen Händen und wir sind geborgen.
Du schaust nach uns jede Stunde unseres Lebens.
Du fühlst mit uns, wie es uns geht und weißt, was wir vorhaben.
Du bist die Verbindung zu denen, die wir nicht treffen können.
Du bist die Berührung zu denen, die wir nicht spüren dürfen.
Du bist Vater und Mutter, du bist Freund und Freundin.
Wir lehnen an deiner Schulter, wir hören deine Stimme.
Deine Worte sind wahr, sie sind heilsam für unsere Seele.
Wo wir auch stehen, was wir auch gerade durchmachen – du nimmst uns auf bei dir.
Wir sind geborgen.
Amen.

Lesung vom Propheten Jesaja, aus Kapitel 40
Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? Seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt. Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt.

Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Predigt

Schere und Kamm.
Manche haben auch eine Haarschneidemaschine zuhause. Auch die sind jetzt ausverkauft. Denn frisieren und schneiden ist jetzt eine Aufgabe des Home-Office. Die Friseure mussten wochenlang schließen. Und unsere Frisuren nähern sich dem Stil der 70er Jahre, nämlich: lang und länger. „Walla-Walla-Mähne“ sagte man früher. Bald öffnen die Studios wieder, aber vielleicht kommen lange Haare wieder in Mode. Corona-Style.

Das hat mich ein wenig inspiriert und in der Bibel finden wir einiges über ‚Haare‘. Da gibt es z.B. im Buch der Richter Simson, in manchen Übersetzungen, Samson. Ein Held Israels, der seine Feinde, das Volk der Philister, in die Flucht schlägt. Doch woher kommt seine Stärke? Die Philister senden eine verführerische Frau, die dieses Geheimnis lüften soll. Delila erfährt es irgendwann. Es sind seine Haare und Locken. Simson ist ein Geweihter Gottes, dessen Haare nie das Schermesser sahen, so heißt es da. In den Haaren liegt Kraft.

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion schneidet Delila die sieben Locken von Simson ab und die Philister können ihn überwältigen. Einige Zeit später wird ein großes Fest in einem Tempel veranstaltet, die Philister feiern ihren Sieg. Doch alle haben wohl vergessen, dass die Haare wieder nachwachsen können. Simson stößt die tragenden Säulen um und das ganze Haus stürzt ein und erdrückt seine Feinde. Der Leichnam Simsons wird geborgen und er kann im Grab seines Vater bestattet werden.

Eine spannende Erzählung von der Kraft und Attraktivität der Haare. Nachzulesen im Buch der Richter ab Kapitel 13.

Schöne lange Haare sind auch heute noch Symbol für Schönheit, Macht und Faszination.

Im Hohelied der Bibel wird über die Liebe gesungen. Diese Worte sind für euch alle, die ihr Sehnsucht habt nach Berührung und Zärtlichkeit:
„Siehe, meine Freundin, du bist schön! Siehe, schön bist du! Deine Augen sind wie Tauben hinter deinem Schleier. Dein Haar ist wie eine Herde Ziegen, die herabsteigen vom Gebirge Gilead. (Hld 4) Dein Haupt ragt auf wie der Berg Karmel. Das Haar auf deinem Haupt ist wie Purpur; ein König liegt in deinen Locken gefangen. (Hld 7)“

Hoffen wir, dass es bald vorbei ist mit dieser Vereinzelung und eure Sehnsucht erfüllt wird. Gott kennt unsere Einsamkeit, er kennt unsere Herzen, und was ihnen so sehr fehlt. Gott wird den Hunger nach Liebe stillen. Und wenn es soweit ist, werden wir wieder durch die Locken streichen können und lieben. Locken so schön, dass man sich darin verfängt und hängen bleibt. Es gibt kaum ein schöneres Bild für Liebe. Nach der Krise wird wieder Zeit da sein, sich zu verlieben und jemanden zu finden.

Es sind haarige Zeiten, in denen wir leben. Kann man das so sagen? Vielleicht verharmlost dieser Satz.

Es geschieht so viel Schlimmes da draußen, und dann sehe ich unsere Dörfer und denke: Hier geht es uns noch ganz gut. Sicher leiden manche unter dem Kontaktverbot. So langsam geht es aber auch wieder bergauf. Gut, wenn man jetzt auf seine Familie zählen kann, die für einen da ist. Oder auf gute Freunde. Oder auch auf unsere Gemeinde. Unser Einkaufs-Dienst soll ja dabei helfen. Ich bin aber froh, dass Hilfe kaum gebraucht wird. Das zeigt mir, dass wir keine Großstadt sind, hier schaut man nach dem andern. Dafür bin ich sehr dankbar. Auch für die vielen Helfer, die sich unkompliziert bei mir gemeldet haben.

Und so versuchen wir alle das Beste draus zu machen. Was auch sonst? Wir müssen ja weitermachen und weiterleben. Am Telefon oder wenn ich mit der Kleinen spazieren gehe, dann erzählen mir viele, dass sie Technik neu entdecken. Der Video-Anruf ist so hilfreich. Dann kann man wenigstens die eigenen Enkel sehen, und ihr Lachen hören.

Im Lukasevangelium lese ich das gute Wort Gottes: „Nicht einen einzigen von euch hat Gott vergessen. Sogar eure Haare auf dem Kopf sind alle gezählt. Habt keine Angst. Ihr seid kostbar für Gott.“

Das ist mir in diesen haarigen Zeiten besonders wichtig. Auch wenn wir manchmal meinen, dass wir vergessen und verloren sind, dann gilt für Gott ganz klar: ‚Ich werde dich niemals vergessen. Du bist für mich unendlich wertvoll.‘

Wenn Gott alle unsere Haare gezählt hat, dann zählt er auch unsere Tränen, und unsere einsamen Stunden. Wenn ihm schon ein Haar von uns so wichtig ist, wie wichtig sind dann wir Menschen! Gott vergisst nicht – Gott ist mit uns! Habt keine Angst. Ihr seid kostbar. Alle eure Haare sind gezählt.

Bleiben Sie behütet!
Amen.

Stilles Gebet für alle, die uns am Herzen liegen

Vaterunser

Es segne dich der liebende Gott, der dich in seine Händen hält.

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