Evangelisches Dekanat Runkel

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    Wüstenzeit

    Foto: Peter Wagner

    Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! Amen.

    Was ist, wenn das Ganze länger dauert? Ich meine, bis Sommer mindestens. Noch länger. Herbst. Winter. Weihnachten. Fällt Weihnachten wie Ostern aus? Dauert es bis zum nächsten Sommer 2021? Bis ein Impfstoff oder ein Medikament gefunden werden, bis dahin wird es dauern. Das kann noch lange sein. Was machen wir dann? Wie werden wir leben? Wie überleben? Wie weitermachen, die lange Zeit?

    Als das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten floh, meinten alle: Bald sind wir im gelobten Land Israel. Es sind doch nur 10 Tage bis nach Israel. Aus den 10 Tagen wurden 40 Jahre. Eine lange Wüstenwanderung hin zum Land, in dem Milch und Honig fließen.

    Wir leben jetzt auch in einer Wüste. Es ist Wüsten-Zeit. Durchhalten, weitermachen. Heiße Tage, eiskalte Nächte. Heiße, stressige Tage, die manche durchmachen. Wenn die Kinder so wild toben, dass man nicht mehr weiterweiß. Doppelbelastung Kind und Arbeit. Dann wieder die Angst, sich anzustecken beim Einkaufen. In manchen Berufen hat man kaum noch Pause, wie in den Pflegeheimen.
    Wüstenzeit. Heiße Tage und die eiskalten Nächte, in denen manche wach liegen vor Sorgen oder Einsamkeit.

    Manchmal glaube ich dann aber auch, wir leben im Paradies, verglichen mit Amerika. Wo man gar nichts hat, wenn man kein Geld hat. Wüstenzeit! Wie krass muss es jetzt dort im reichsten Land der Welt sein? Wo Särge sich bergeweise stapeln, weil Bestatter einfach keine Zeit mehr haben, sie wegzuschaffen.
    Es sind jetzt ein paar Wochen, seit alles anders ist. Es fühlt sich manchmal wie Monate an. Vielleicht altern manche mehr als sonst. Ich glaube, die Jugendlichen, die das mitbekommen, die werden anders sein als Jugendliche in anderen Zeiten. Eine Generation, die Corona erlebt und erlitten hat. Auch die meisten unter uns kennen keine große Not. Der letzte Krieg ist so lange her. Wohlstand ist bisher nur gewachsen.

    Wir alle machen unterschiedliche Erfahrungen mit Corona. Es geht ja auch nicht allen schlechter. Es ist aber diese Unsicherheit, die einen ganz verrückt machen kann. Was wird denn nur sein? Was ist, wenn das Ganze länger dauert?

    Aus zehn Tagen Reise durch die Wüste werden vierzig Jahre Irrfahrt in der Wüste. Ich lese in der Bibel. „Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten.“

    Es gibt diese Phänomene ja tatsächlich in der Wüste. Windhosen kennen wir alle und diese Winde können sich sogar entzünden. Kann man im phaeno-Museum in Wolfsburg bestaunen als Feuer-Tornado. Unwahrscheinlich und doch wahr! Vielleicht können wir Gottes Zeichen gerade in der tiefsten Not wiederentdecken und staunen. „Und der Herr zog vor ihnen her. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.“ Tag und Nacht behütet. Kühler Wind für heiße Tage, wärmendes Feuer für eiskalte Nächte.

    Das brauchen wir, und ich glaube, Gott wird uns hier nicht enttäuschen. Vertrauen wir diesem Gott, der auch vierzig Jahre lang uns niemals verlässt. Wie lange es auch dauert.

    Es ist ein Gott, der Tag und Nacht bei uns ist. Früh am Morgen gibt er uns Kräfte für das, was kommt. Spät am Abend gibt er Sicherheit, dass wir einschlafen können. Ich wünsche uns allen, dass wir diese Sorge Gottes um uns spüren können. Gott sorgt für dich und mich. Im Schlimmsten und Ärgsten wird er nicht von uns weichen.

    „Und der Herr zog vor ihnen her.“ Er wird uns den Weg in die Zukunft freimachen!

    Pfarrer Christian Elias, Löhnberg, Tel.: 06471/8141, christian.elias@ekhn.de

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