Evangelisches Dekanat Runkel

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    Lärm und Stille

    Foto: Bettina Bender

    Samstag, das ist der Tag nach fünf Tagen Arbeitswoche und es ist der Tag vor Sonntag. Schon am Morgen, wenn man noch im Bett liegt, beginnt der Tag anders als sonst. Die LKW von der Baufirma Schäfer rumpeln nicht über die Gullideckel. Der junge Mann auf seinem Motorbike rattert nicht um 6.00 Uhr über die Hauptstraße. Man hört nicht das Piepen beim Rückwärtsfahren des Viehtransporters vom Metzger Stamm. Samstagmorgen da höre ich die Vögel, das Morgenlied der Amsel. Und auch das Krähen der Hähne kann man am Samstagmorgen hören. Am Samstag beginnt der Tag leiser als sonst, gedämpfter und ich denke, heute muss ich nicht, heute kann ich…

    In Zeiten des Shut Down fühlten sich mehr Tage wie Samstag an. Das öffentliche Leben war stillgelegt. Es fuhr kein Schulbus und nur wenige fuhren zur Arbeit. Auch an diesen Tagen hatte ich das Gefühl, heute muss ich nicht, heute kann ich. Ich konnte den Tag selber bestimmen, wann ich was tue. Auf einmal war die Entschleunigung da, die man sich oft gewünscht hat. Auf einmal war Stille. In diesen stillgelegten Wochen war das Leben auf einmal ganz anders. In der Stille habe ich auf einmal mehr gehört und auch mehr gesehen. Natürlich war es eine Wonne die sonnigen Frühlingstage zu erleben, den Duft zu riechen der blühenden Bäume und die Farben zu sehen der Blüten und Blumen in den grünen Wiesen. Aber mein ganzer Körper war auch gespannt zu hören. Niemand hat geklingelt. Keiner kam vorbei. Ich bin durch unser Dorf gelaufen und habe darauf gehofft, Stimmen zu hören. Aber da war viel Stille. Auch das Telefon habe ich vermisst, das plötzlich verstummt war.

    In dieser Stille habe ich auf meinen Spaziergängen viele Gedanken gehabt an Begegnungen, an Gespräche, an bestimmte Worte. Oft waren da auch Lieder in meinem Kopf, die ich mitgesummt habe. Und ich habe wunderbare Zwiegespräche mit Gott geführt. Ich habe Gott erzählt von meiner Familie, von meiner Sehnsucht, von meiner Arbeit, von meiner Freude, von meinen Sorgen. Gott war da und die Stille war gar nicht mehr still, sondern gefüllt von Gottes Gegenwart. Ich erinnerte mich an den Propheten Elia.

    Elia kam in eine Höhle ... und der HERR sprach: Gehe heraus … und siehe, der HERR wird vorübergehen. Und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, kam vor dem HERRN her; der HERR aber war nicht im Winde. Nach dem Wind aber kam ein Erdbeben; aber der HERR war nicht im Erdbeben. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der HERR war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen. (1.Könige 19,9,11f)

    (...)Wenn es still wird um mich, höre ich manchmal nicht nur mich.
    Wenn es still wird, höre ich dich.

    Zitat aus: Tina Willms in „Alles Laute braucht das Leise“ Das komplette Gedicht kann im Buch "Die Kraft der stillen Tön", Verlag am Eschbach, nachgelesen werden.

    Bettina Bender, Pfarrerin der Kirchengemeinden Wolfenhausen-Haintchen und Blessenbach kirchengemeinde.wolfenhausen-haintchen@ekhn.de Telefon: 06475/525

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