Evangelisches Dekanat Runkel

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    „Singet dem Herrn ein neues Lied!“ – aber jetzt noch nicht

    Foto: Peter Wagner

    „Wir sind Papst!“. Ich glaube, wir alle erinnern uns noch an diese Titelzeile der Bild-Zeitung. Zu lesen war dieser Satz am 20. April 2005. Damals wurde der deutsche Kardinal Ratzinger zum Papst gewählt.

    Nicht oft schafft es ein kirchliches Thema auf die Titelseite der auflagenstärksten Tageszeitung Deutschlands. Nun war es aber wieder soweit: Am 29. April 2020, also vor knapp 2 Wochen, titelte die Bild-Zeitung: „Singen in der Kirche verboten“ und auf Seite 2 war zu lesen, dass die Politik ein „11. Gebot“ erlassen hat: „Du sollst nicht singen!“. Wir alle wissen inzwischen, dass durch das gemeinsame Singen Infektionswolken entstehen können, die die Gefahr einer Ansteckung im Gottesdienst vergrößern könnten. Vergangenen Sonntag war der Sonntag mit dem Namen „Kantate“. Dies ist der Imperativ (Befehlsform) im Plural und heißt übersetzt: „Singet“. Dies ist das erste Wort von Psalm 98, Vers 1: „Singet dem Herrn ein neues Lied“. Von diesem „Leitvers“ hat der Sonntag seinen Namen. Es ist auch eines von den vielen Dingen, die uns klar machen, in welch ver-rückten Zeiten wir leben. Dass die Bibel uns auffordert „singet!“ und die Politik uns sagt: „Singet nicht!“ - Singen ist im Gottesdienst verboten.

    Musik spielt im Leben der meisten Menschen eine wichtige Rolle, sei es aktiv oder passiv. Viele Menschen singen in Chören oder zumindest für sich allein unter der Dusche. Fast keiner, der nicht regelmäßig Radio hört, Konzertmitschnitte, CDs oder bei Jüngeren Spotify runtergeladen hat. Bei Beerdigungen suchen die Angehörigen Lieder aus, die etwas vom Leben des Verstorbenen widerspiegeln, oft seine oder ihre Lieblingslieder waren. Ich denke, die meisten Pfarrer leben inzwischen damit, dass auf Friedhöfen nun auch u.a. Andrea Berg und Andreas Gabalier von der CD gespielt werden. Mit Liedern identifizieren sich Menschen, finden oft ihre eigenen Gefühle in schöne Bilder und Melodien gekleidet wieder. Lieder leben von der Wiederholung und wenn wir bestimmte Lieder nach Jahren wieder hören, z.B. Lieder aus unserer Jugendzeit, dann lösen sie in uns Freude aber auch Wehmut und Melancholie aus.

    Gerade weil Musik und Lieder unsere Gefühle ansprechen sind sie auch in der Beziehung zu Gott nicht wegzudenken. Ich freue mich, dass es unserem Gott wichtig ist, dass wir ihm auch Lieder singen und wir bewusst dazu aufgefordert werden. Es ist wesentlich, dass wir nicht nur zusammenkommen um Bibeltexte zu hören und auszulegen, sondern dass Lieder ein ganz wichtiger Ausdruck von Emotionen und Stimmungen sind, gerade auch in der Beziehung zu Gott und als Christen untereinander. Dies findet seinen Ausdruck im Gottesdienst.

    Die einen finden in klassischer Musik diesen Ausdruck und leben auf, wenn sie eine Bach-Kantate singen können oder gesungen hören können. Andere lieben moderne kirchliche Lieder.

    Gerade ist mit dem EG-Plus in den Kirchengemeinden ein Liederbuch erschienen, das eine breite Auswahl an neuen Liedern bietet. Keine Frage, das Singen gehört zu unseren Gottesdiensten dazu sowie die Bibel, das Vater unser, die Predigt und der Segen. „Singen in der Kirche verboten“, da merkt wohl sogar die Bild-Zeitung, dass da etwas Außergewöhnliches passiert, so außergewöhnlich, dass es diese Meldung sogar auf die Titelseite geschafft hat.

    Noch keine Gottesdienste im Mai

    Wir haben für unsere Kirchengemeinde entschieden, dass wir unter den gegebenen Schutzmaßnahmen im Mai noch keine Gottesdienste feiern werden, auch, weil wir uns nicht vorstellen können, im Gottesdienst nicht gemeinsam zu singen. Keine Frage: Es ist schwer, diese lange Zeit ohne gemeinsame Treffen auszuhalten, aber wenn wir uns dann wieder in unseren Kirchen treffen, wollen wir auch wieder aus vollem Herzen Gott loben können, „mit einem neuen Lied“. Bis dahin bleibt, bei Fernseh-Gottesdiensten oder bei Youtube-Gottesdiensten aus voller Kehle und vollem Herzen mitzusingen und sich auf die Zeit zu freuen, wenn wir das wieder gemeinsam in unseren Kirchen tun können.

    Konstanze Buddruss, Pfarrerin in Weilmünster
    Tel.: 06472-911066, pfarramt-weilmuenster@t-online.de

    Konstanze Buddruss

    Gebet

    Herr, unser Gott, wir danken dir, dass du uns die Musik geschenkt hast.
    Danke, dass wir in Liedern und im Gesang unsere Gefühle ausgedrückt finden
    und selber ausdrücken können.
    Du begleitest die Melodien unseres Lebens,
    das Dur der Freude und der Lebendigkeit
    und das Moll der Traurigkeit und Melancholie.
    Danke, dass wir in der Hoffnung leben können,
    dass wir auch bald wieder in den Gottesdiensten
    dein Lob mit voller Kehle und vollem Herzen verkündigen können.
    Schenke uns Geduld und Vertrauen, dass du deine Kirche durch die Zeiten trägst
    und schenke uns Weisheit und Verständnis füreinander.
    Lass uns die im Blick haben, die wir schützen wollen
    und deren Wohlergehen uns am Herzen liegt.
    Du bist der Herr deiner Kirche - jetzt und alle Zeit.
    Darauf wollen wir vertrauen.
    AMEN!

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