Evangelisches Dekanat Runkel

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Memento Mori

Foto: Peter Wagner

Charmian Piper, eine 86jährige Dame mit Ausstrahlung, schriftstellerischer Vergangenheit, Geheimnissen und Lebenslügen erhält im Roman „Memento Mori“ von Muriel Spark denselben anonymen Anruf wie ihr Ehemann, ihre Schwägerin und einige Nebendarsteller: Eine männliche Stimme sagt „Denken Sie daran, dass Sie sterben müssen“ und legt auf…

Man ist sich uneins, wie mit der Botschaft umgegangen werden soll. Der eine setzt seine Hoffnung auf die Polizei, die andere stellt einen Privatdetektiv ein, Charmian legt Wert auf die Feststellung, dass der Anrufer höflich gewesen sei. Im übrigen könne Sie trotz zunehmender Vergesslichkeit ihren Tod nicht vergessen, wann auch immer er sein möge. Sie beschließt, ins Pflegeheim überzusiedeln – dorthin, wo die BewohnerInnen auf den Tod warten und zuvor mit besonderem Vergnügen alle paar Wochen ihr Testament ändern.

Muriel Sparks, die Autorin, ist in ärmlichen Verhältnissen in Edinburgh aufgewachsen und hat sich in ihrer Jugend mit der Großmutter das Zimmer teilen müssen. Später hat sie diese bis zu ihrem Tod gepflegt. Sie kennt sich aus in den Lebenswelten der älteren Generation und gibt in diesem Roman sehr besondere Einblicke: Britischer Humor, trocken und bitterböse!

Schon länger wollte ich dieses Buch lesen und mehr zufällig als geplant wurde es meine Lektüre zu Beginn der Coronakrise. In diesen Wochen ist die besondere Sorge um die älteren Menschen, um ihre Einsamkeit und ihre Ängste, um ihre Erinnerungen und ihre Lebensleistungen sehr spürbar. Romanhelden ersetzen keine Menschen, aber sie geben Impulse und Erfahrungen weiter, die für unsere eigenen Beziehungen kostbar werden können. Aber: Kommt der Bezug auf einen Roman mit diesem Titel nicht doch zur Unzeit?

Der Blick auf Sterben und Tod gehört zur Passionszeit, insbesondere zur Karwoche. Auch die Erzählungen des Leidensweges Jesu stellen eine Zumutung dar. In ihrer Dramatik sind auch Leiderfahrungen aufgehoben, die Menschen zu ihrer Zeit und an anderen Orten erlebt haben. Der Tod ist dort kein Tabu, wo Hoffnung keimt. An Ostern feiern wir, dass Gott den Tod in seine Schranken verweist und in Christus alles Trennende aufhebt. Und bereits am Anfang seines Evangeliums erzählt Lukas von dem alten Mann Simeon im Jerusalemer Tempel, der den Jüngern und uns Christen etwas voraus hat: Seine Hoffnung hat sich bereits erfüllt, als er das Jesuskind, den Heiland Israels, mit eigenen Augen gesehen hat (Lk 2,25-35). Dankbar und lobend, voller Lebenserfahrung und Weisheit gibt er seinen Segen weiter.

„Denken Sie daran, dass Sie sterben müssen“, das besagt der Buchtitel „Memento mori“. Schon Psalm 90, Vers 12 gibt uns diese Weisheit mit auf den Lebensweg: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“. In bildhafter Sprache und doch nüchtern spricht der Psalm 90 über die Vergänglichkeit des Menschen, aber auch von der Gnade und der Ewigkeit Gottes. Meine Bitte und meine Hoffnung ist, dass wir unser begrenztes Leben ihm anvertrauen, auch in Krisenzeiten dankbar zu leben versuchen und denen beistehen, die Not leiden.

Lied EG 369,7:

Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,
verricht das deine nur getreu
und trau des Himmels reichem Segen,
so wird er bei dir werden neu.
Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt,
den verlässt er nicht.
Georg Neumark, 17. Jh., während/nach dem dreißigjährigen Krieg

Gebet

Meine Sorgen und meine Unruhe bringe ich vor dich, ewiger Gott. Hilf mir, dass ich auch die schwierigen Zeiten annehmen kann und mein Leben nach deinem Willen führe. Sei nicht fern mit deinem tröstenden Wort, gib Zuversicht und Kraft. Ich vertraue dir alle meine Lieben an, ebenso auch die Menschen, die dringend auf Hilfe warten – die Einsamen in ihren Häusern ebenso wie die Geflüchteten in den überfüllten Lagern.
Amen

Pfarrer Joachim Naurath, Profilstellen Bildung und Gesellschaftliche Verantwortung im Ev. Dekanat Runkel, Mail: joachim.naurath@ekhn.de

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