Evangelisches Dekanat Runkel

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Foto: Peter Wagner

Die Andacht vom 27. März kommt von Dekan Ulrich Reichard, Weilburg.

Wachet!

Liebe Leserinnen und Leser unserer Tagesandachten:

Beim Evangelisten Markus (13,37) heißt es: „Jesus Christus spricht: Wachet!“ Wer wacht nicht in dieser Zeit. Seit dem Erwachen des Corona-Virus vergeht keine Nacht, in der Menschen nicht hellwach nach einem Ausweg oder auch nach einem Umweg suchen, der uns an der finalen Katastrophe vorbei führen könnte, der uns unsere Kinder und Enkel zurückgibt, die wir so lange nicht mehr gesehen haben, der uns den Frieden in unser bis dahin glückliches Leben zurückbringt und uns wieder ruhiger schlafen lässt.

Wie lange hält man das durch, dieses ängstliche Wachen und die Unsicherheit, ob das Virus an einem vorbeiziehen oder vielleicht doch auch bei mir Halt machen wird?

Wachen und Warten kostet Kraft. Mehr als sonst spüren wir das in diesen Tagen – Alte und Junge.

„Wie oft muss ich noch schlafen bis zu meinem Geburtstag, bis Oma und Opa kommen, bis das Christkind kommt?“ Kinder fragen, oft nicht nur einmal, sondern voller Erwartung und Vorfreude immer wieder, so als könnten sie schneller den Tag aller Tage herbeiholen, an dem geschieht, was sie sich wünschen. Wie viel Mühe es Eltern manchmal kostet, bis ihre Kinder die angespannte Erwartung wenigstens für ein paar Stunden nachts loslassen und zur Ruhe kommen können, wissen Sie selbst – als Eltern oder Kinder. Wie viel Kraft es kosten kann, Ängste und Sorgen – wie in diesen Tagen – zurückzudrängen, damit sie uns nicht zur Verzweiflung treiben, spüren auch viele unter uns.

„Stell Dich nicht so an!“ Oder „Steigere Dich nicht so hinein!“ „Komm mal wieder runter von Deinem Sorgenberg; das wird schon wieder!“ Solche ermahnenden und sicherlich auch gutgemeinten Worte höre ich dieser Tage öfter. Ja, wir sind das Warten nicht gewöhnt, vor allen Dingen, wenn es das Warten darauf ist, dass etwas vorbeigeht, was ich nicht einschätzen kann. „Corona“ kann ich nicht einschätzen; und (noch) weiß niemand, wie lange es dauert, bis dieser Spuk vorbei ist.

„Wachet!“ hören wir Jesus zu seinen Jünger sagen. Wach bleiben, Wachsam sein, damit wir den Augenblick nicht verpassen, wenn alles Schlimme vorüber und Gott mitten unter uns ist. Wach bleiben, damit wir nicht aus dem Blick verlieren, worum es eigentlich geht. Jesus wünscht sich, dass seine Freunde in dieser schwierigen (Passions-) Zeit mit ihm aushalten, dass sie ihn nicht alleine lassen in seinem Leid. Als Christinnen und Christen sind wir Freunde Jesu.

Diese Corona-Zeit führt uns deutlich vor Augen, wie wichtig es ist, gerade diejenigen, die alleine sind, unsere Solidarität spüren zu lassen – wenn schon nicht durch einen Besuch, dann vielleicht durch ein gutes (Bibel-) Wort, durch eine handgeschriebene Karte oder einen Brief (in den privaten Briefkasten oder den im Pflegeheim oder im Krankenhaus gelegt), durch einen Kontakt via Skype vielleicht mit einem Gebet wie diesem: „Guter Gott, auch ich bin in diesem Augenblick alleine. Alleinsein fällt mir schwer. Ich habe immer die Gesellschaft anderer geliebt, mich gerne unterhalten und gelacht. Nun ist mir eher zum Weinen zumute. Das Fernsehen ist mir kein Trost; ich benötige Worte, Gesten, Gefühle. Die Kinder sind so weit weg; es fehlt mir, sie und besonders die Enkelkinder in meine Arme nehmen und herzen zu können. Nächtelang liege ich wach und denke an sie und die Zeit, die wir bis zu diesen Tagen miteinander verbracht haben. Ich wache und warte auf den Augenblick, in dem man uns sagt: Ihr dürft Eure Isolation wieder verlassen. Bis dahin wache ich in Deinen Händen, Gott, und bete ich: für meine Kinder und Enkelkinder; für die Menschen, die in diesen Tagen an mich denken und bei mir anrufen; für Ärzte und Pflegekräfte, die ihr Leben für mein Leben einsetzen; für alle Verantwortlichen in Politik, Gesellschaft und Kirche, dass Du ihnen Weisheit gibst für ihre Entscheidungen.

Gemeinsam mit Ihnen allen und für Sie alle bitte ich Dich, wie Du uns in Jesus Christus zu bitten gelehrt hast: Vater unser im Himmel, …
AMEN.“

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