Evangelisches Dekanat Runkel

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    I Shall Be Released

    Foto: Peter Wagner

    Bob Dylan nahm diesen Song im September 1971 zusammen mit dem Gitarristen Happy Traum auf. In 80er Jahren wurde der Song zu einer Hymne von Amnesty International. Beim Konzertzyklus „A Conspiracy Of Hope“ sangen Sting, Bono, Jackson Browne und Joan Baez u.a. dieses Lied gemeinsam, um mit Amnesty International gegen unmenschliche Haftbedingungen in Gefängnissen und insbesondere gegen die Todesstrafe zu demonstrieren.

    „I see my light come shinin from the west until the east, any day now, any day now, I shall be released“. Ich werde frei sein, ich werde entlassen, ich werde erlöst werden – so könnte man die Zeile des Refrains übersetzen.

    Auf das erste Hören geht es um einen Gefangenen, der darauf hofft, dass es eines Tages so weit ist, dass er das Licht der Freiheit wieder erblickt. Seine Gedanken kreisen um die Menschen und die Situationen, die ihn in die Haft gebracht haben.

    Aber es geht um mehr. Der Song und die Titelzeile sind eine Metapher auf das Leben selbst. Dylan selbst sagte zu seinem Song, dass die ganze Welt ein Gefängnis sei. Jeder sei im Grunde in sich gefangen. Nur die Erkenntnis unserer selbst erlaube uns, daraus zu entkommen. Und fügte hinzu: „In dem Augenblick, wo Menschen geboren werden, wollen sie auch wissen, was sie hier treiben“. Frei werden, herauskommen, auf das Licht vertrauen, wie es in dem Lied heißt „I see my light shinin“– diese Hoffnunghat eine eigene, und wie ich finde, eine österliche Kraft.

    Interessanterweise singt Dylan, der bei seiner Version übrigens auch eine ganz vorzügliche Mundharmonika spielt, von dem Licht, das von West nach Ost scheint. Eigentlich müsste es ja umgekehrt heißen, dass das Licht vom Osten her Richtung Westen seinen Lauf nimmt. Dylan kehrt die Bewegung um, vielleicht um den Reim von „east“ auf „released“ zu gewinnen, vielleicht aber auch um gegen den Lauf der Dinge zu hoffen und zu kämpfen. „I see my light come shinin from the west until the east“ - der Weg geht vom Dunkel Richtung Licht. Dem Licht entgegen.

    Als Christen, so entdecke ich, machen wir es genauso. Wir gehen Ostern entgegen, wir sind manchmal zaghaft, manchmal fröhlich in Hoffnung, wir geben nicht auf, wir glauben an einen Gott, der uns erlösen wird, einst am Ende des Lebens , aber auch jetzt schon, der dutzend Ideen hat, um unsere Gedanken zu befreien, um unsere Fragen leichter zu machen, der uns begleitet und entgegenkommt, um uns zu lösen aus dem, wovon wir uns gefangen nehmen lassen.

    „I shall be released“ - denn da ist ein Licht, das für mich, für uns scheint. Ob wir nun eine Operation vor uns haben, ob wir überlegen, wie wir den Streit klären, ob wir noch verharren, weil wir Angst haben, aus uns herauszugehen und eine neuen Weg zu riskieren – wir glauben, dass es eines Tages, „any day now“, so weit ist. Und wir werden befreit, wir kommen aus dem Dunkel, alles wird neu.

    Eines Tages schauen wir zurück und werden sagen: Wie haben wir diese Epidemie nur überstanden, wie haben wir das nur geschafft. Eines Tages. „We shall be released“.

    Markus Stambke, evangelischer Pfarrer, Limburg
    (Quellen: Philipp Margotin, Bob Dylan, Alle Songs; https://www.bobdylan.com/songs/i-shall-be-released/)

    Zum Anschauen des Videos klicken Sie bitte auf diesen Link:
    https://www.youtube.com/watch?v=E0pkHBVznLA

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