Evangelisches Dekanat Runkel

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    Gedanken zum Psalm 103

    Foto: Bettina Bender

    „Das Corona-Virus verändert zurzeit das Leben in unserem Land dramatisch. Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst!“ Das sind die Worte der Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Fernsehansprache am letzten Mittwoch, den 15.4.2020. Die Angst vor Ansteckung prägt im Moment unseren Alltag. Wir wachen mit diesem Gedanken auf und legen uns damit zum Schlafen. Vielleicht hat das Virus auch schon unsere Träume erreicht. So oft und so viele Nachrichten wie jetzt habe ich noch nie gehört. Aber auch in dieser angespannten Zeit gibt es Gutes und Schönes zu erleben und zu entdecken.

    Ich denke, es ist nötig, dass wir uns dieses Gute und Schöne, dass wir es uns bewusst einprägen und sorgsam im Gedächtnis aufbewahren, gerade jetzt.

    Lobe den HERRN meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. (Psalm 103,1f)

    Gestern Abend gab es endlich den ersehnten Regen. Die Natur atmet auf. Hat uns die Sonne in den letzten Tagen und Wochen blühende Kirschbäume und Magnolien und wunderschöne Blumen geschenkt, so schlagen jetzt die Bäume im Wald aus und tragen grüne kleine Blättchen. Auch die eingesäten Felder zeigen erste grüne Spitzten, wie einen Flaum. Die Rapsfelder sind gelb und leuchten weit. Wer nicht in der Natur wohnt, kann aber doch die Vögel zwitschern hören. In den warmen Tagen konnten wir die Fenster aufmachen und uns an dem Gesang der Amsel und dem Zwitschern von Spatzen und Meisen erfreuen. Auch die Schwalben sind wieder da. Alle Sinne regen sich, wenn wir das Erwachen der Natur erleben dürfen in diesen Frühlingstagen.

    Das Osterfest ist gerade eine Woche her. Das Auf (er)stehen erleben wir jeden Tag. Ostern hat unserer Hoffnung Farbe geschenkt, die wir jetzt im Frühling erleben dürfen. Ja, Gutes und Schönes gibt es auch in diesen schwierigen Zeiten. Da sind die kleinen Gespräche auf Abstand über die Straßenseite, wenn die Menschen vorm Metzgerladen in Sicherheitsabstand anstehen. Da trifft man ganz unverhofft Menschen, die man lange nicht gesehen hat. Das Telefonieren ist schöööön, besonders mit denen, die wir nicht besuchen können. Briefe oder Postkarten schreiben, das machen wir sonst nur im Urlaub. Jetzt können wir andere damit erfreuen. Vielleicht geht es Ihnen auch so, dass ein Lächeln über ihr Gesicht huscht oder das Herz einen Hüpfer macht, wenn ein mit Hand adressierter Brief im Briefkasten liegt.

    Wenn man zuhause bleiben soll, dann gibt es auf einmal mehr Zeit. Viele Menschen nutzen diese Zeit auch zum Aufräumen. Und was findet man da nicht für Schätze: alte Fotos, ein Tagebuch, einen verloren gegangenen, lange gesuchten Ohrring, ein von Kinderhand gemaltes Herz …

    Vorm Einschlafen bete ich. Dabei ist es mir wichtig, immer zuerst zu Danken für das Schöne, was mir am Tag begegnet ist, bevor ich meine Bitten und Fürbitten Gott anvertraue. Loben zieht nach oben, sagt ein Sprichwort. Wenn ich den Psalm 103 bete, ermuntere ich mich zum Loben. Denk daran, vergiss es nicht, was Gott dir in deinem Leben schon alles an Gutem getan hat. Denn dieses Gute hat Gott dir zugedacht.

    Eine liebe Kollegenfreundin hat mir zu Ostern ein Buch geschenkt mit dem Titel „Abendfibel müder Seelen“. Darin fand ich diese Geschichte: Bohnen zählen (Autor unbekannt)

    Es war einmal eine sehr alte Frau, die glücklich und zufrieden lebte. Viele Menschen beneideten sie. weil sie eine echte Lebenskünstlerin war. Die alte Frau verließ niemals ihr Haus, ohne eine Handvoll getrocknete, weiße Bohnen mitzunehmen. Sie tat dies nicht etwa, um die Bohnen zu kauen, nein, sie steckte sie einfach in die rechte Tasche ihrer Jacke. Jedes Mal, wenn sie tagsüber etwas Schönes erlebte - den Sonnenaufgang, das Lachen eines Kindes, eine kurze Begegnung, ein gutes Mahl, einen schattigen Platz in der Mittagshitze-, nahm sie dies ganz bewusst wahr, freute sich darüber von Herzen und ließ eine Bohne von der rechten Tasche in die linke gleiten. War das Erlebnis besonders schön und gar überraschend, wechselten zwei oder drei Bohnen die Seite. Abends saß die alte Frau dann zu Hause und zählte die Bohnen aus der Tasche. Sie zelebrierte dies geradezu und führte sich so vor Augen, wie viel Schönes ihr an diesem Tag widerfahren war. Und auch an einem Abend, an dem sie bloß eine Bohne zählen konnte, war der vergangene Tag ein gelungener Tag - es hatte sich zu leben gelohnt.

    Nach dem segensreichen Regen, kommt nun bald die Zeit, wo wir die Buschbohnen in die Erde legen. Vielleicht sollten wir eine Handvoll aufheben und in die Jackentasche stecken.

    Pfarrerin Bettina Bender, kirchengemeinde.wolfenhause-haintchen@ekhn.de Telefon 06475/525

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