Evangelisches Dekanat Runkel

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Wann wird alles wieder gut?

Foto: Peter Wagner

„Bis du heiratest, ist alles wieder gut!“, sagte mein Vater oft, wenn ich mir als kleines Mädchen beim Spielen das Knie aufgeschlagen hatte. Schon damals fand ich den Spruch nicht besonders tröstlich, denn ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt nicht, ob ich jemals heiraten würde - und wenn, dann erschien mir die Zeit bis dahin noch unendlich lang.

Damals tat mein Vater aber noch etwas, was mich sehr wohl tröstete. Er beugte sich nämlich über mein verwundetes Knie und pustete darauf. Das Pusten sorgte meist auf wundersame Weise dafür, dass ich aufhörte zu weinen. Heute weiß ich, dass es nicht das Pusten an sich war, das mir geholfen hat, sondern die liebevolle Zuwendung, die sich darin ausdrückt.

„Wann wird alles wieder gut“? Das fragen sich gerade viele Menschen angesichts der Corona-Krise. Denn für Viele ist diese längst auch zu einer ganz persönlichen Krise geworden. Die Trauer um einen geliebten Menschen, die ständige Angst um den eigenen Arbeitsplatz, die erzwungene Nähe in Partnerschaften und Familien auf der einen und der Struktur- und Kontaktverlust auf der anderen Seite haben neue Wunden verursacht oder alte wieder aufgerissen. „Wann wird alles wieder gut?“ So sehr wir uns auch Antworten erhoffen – wann in unserem ganz persönlichen Leben alles wieder gut wird, das können uns auch die Bundesregierung, Virolog*innen und andere Expert*innen nicht beantworten.

Jede*r, die/der selbst schon einmal in einer existenziellen Krise gesteckt hat, weiß auch, dass ein nett gemeintes „Das wird schon wieder!“ von Freunden und Bekannten auch nicht wirklich hilfreich ist. Es wird nämlich oft nicht wieder - und schon gar nicht so, wie es vorher war. Wer aber eine schwere Krise hinter sich gebracht hat, der kann vielleicht rückblickend sagen, dass irgendwann der Punkt gekommen ist, an dem es „wieder gut“ war, nicht mehr wie vorher, aber „anders gut“ oder zumindest erträglich, weil er oder sie gelernt hat, mit der neuen Situation umzugehen und wieder eine Zukunft für sich zu sehen.

Als Theologin weigere ich mich daher auch die Osterbotschaft einfach mit „alles wird gut“ zu übersetzen. Es wird nämlich nicht plötzlich alles gut. Das wundersame Ostergeschehen sehe ich vielmehr als Zeichen: Gott zeigt uns, dass er uns Menschen nicht einfach Tod und Elend überlässt, sondern er uns mittels seiner Schöpfungsmacht neues Leben ganz anderer Art schenkt. Auch wenn unsere Wunden aktuell unerträglich schmerzen, so dürfen wir schon jetzt getrost sein, dass sie nicht unheilbar sind. Gott hat sozusagen schon darauf „gepustet“. Amen.

Katharina Eisenreich, Pfarrerin in Hadamar, Tel.: 0160-97976648, katharina.eisenreich@ekhn.de

Gebet

Guter Gott, ich weiß, in letzter Zeit habe ich nicht oft mir dir gesprochen.
Du schienst mir so unendlich fern zu sein.
Vielleicht bist du das gerade auch.
Aber ich möchte dich um etwas bitten:
Bitte zeige allen, die gerade nicht weiter wissen, einen neuen Weg und gib ihnen genug Kraft, dass sie ihn auch gehen können.
Lass niemanden in tiefer Verzweiflung alleine – auch mich nicht.
Danke, dass du mir zuhörst.
Amen.

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