Evangelisches Dekanat Runkel

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    Stille statt Aktion

    Foto: Peter Wagner

    Ostern 2020 war ganz anders

    Im Moment ist sehr viel in Bewegung. Unsere „äußere Bewegung“ ist eingeschränkt. Wohl dem, der einen Hund hat und Gassi gehen darf und die wunderbare Natur genießen kann. Dennoch bleibt das Gefühl, ausgebremst zu werden. Je mehr sich nach außen alles entschleunigt, desto mehr scheint sich die Dynamik nach innen zu verlagern. Zu meinem Morgenritual gehört neben den Losungen und dem Tagebuch schreiben, Einträge in mein aktuelles „Lebensbuch“. Darin sammle ich Gedanken, Aussprüche, Lebensweisheiten, kleine Begebenheiten und vieles mehr. Ich stelle fest, dass ich dort im Moment sehr viel eintrage. Ein Satz aus der Krimireihe „Soko Leipzig“ steht dieser Tage auch darin. Man glaubt nicht, wie viel Lebensweisheit uns Fernseh-Kommissare weitergeben können :). Ein Ermittler sagte: „Warum glauben wir Menschen eigentlich immer, wir hätten unser Leben im Griff!?“ Dieser Satz stammt von einer Folge von 2017 und ist sicherlich nicht im Hinblick auf Corona gesagt worden und doch trifft er gerade ins Schwarze, was unsere derzeitigen Gefühle und Befürchtungen betrifft. Oder? Wir erleben gerade, dass uns die Kontrolle entzogen wird, dass Planungen kaum noch möglich sind, dass wir uns nach Normalität sehnen, von der im Moment keiner sagen kann, wann wir diesen Zustand erreichen, der dieses Wort verdienen würde. Alle geben sich Mühe, Ostern doch irgendwie „zu feiern“, aber natürlich ist es viel weniger greifbar, fühlbar und schmeckbar als sonst.

    Der Satz aus der Bibel, den wir an den Feiertagen mehrmals beim Abendmahl gehört hätten: „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist“ (Psalm 34,9), den konnten wir dieses Jahr an Ostern nicht fühlen. Dennoch stimmt ja was am 09. April als Überschrift im Weilburger Tageblatt zu der ökumenischen Aktion der digitalen Ostergottesdienste zu lesen war: „Ostern fällt nicht aus, wird aber anders“.

    Diesmal bin ich an Ostern weniger unterwegs, ich habe mehr Zeit für das Gebet und den Austausch mit Gott und so habe ich in meinem „Lebensbuch“ nun eine Doppelseite reserviert, wo ich Namen von Menschen aufschreibe, für die ich beten möchte. Da sind ältere Menschen dabei, die jetzt vermutlich einsamer sind als sonst. Da sind Menschen dabei, die aufgrund ihrer ernsten Erkrankung, sich auf keinen Fall mit Corona infizieren dürfen. Da sind Menschen in Gefängnissen dabei, die uns, was Einschränkungen des Lebens betrifft, weit an Erfahrung überlegen sind. Da ist meine Freundin dabei, die Pfarrerin im Schwarzwald ist und ihre Mutter nicht im Heim in Heidelberg besuchen darf. Da ist ihr Mann dabei, der als Krankenhausseelsorger in Schutzkleidung jeden Tag am Krankenbett von Corona infizierten Menschen sitzt. Da sind Krankenpfleger dabei, die sich um die kümmern, die sonst auch tägliche Hilfe brauchen und viele mehr.

    Ja, es war ein anderes Osterfest 2020. Aber die Erfahrung, dass es gut ist, sich Zeit für das Gebet für Menschen zu nehmen, die es besonders schwer haben, die wird hoffentlich im Bewußtsein bleiben.

    Der Vers Psalm 34,9 hat noch eine Fortsetzung: „Schmecket und sehet wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf in trauet!“ Es stimmt, wir haben unser Leben nicht im Griff, aber wir wollen lernen, es Gott wieder neu anzuvertrauen – jeden Tag.

    Ich wünschen uns allen, dass wir das neu lernen, auf Gott zu vertrauen und dass uns dieses Vertrauen durch die kommende Zeit trägt.

    Konstanze Buddruss, Pfarrerin in Weilmünster
    Tel.: 06472-911066, pfarramt-weilmuenster@t-online.de

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