Evangelisches Dekanat Runkel

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    Meine Güte, wie soll das denn bloß werden? Das habe ich mich gefragt, als vor einigen Wochen deutlich wurde: Dieses Jahr fallen die Ostergottesdienste aus. Ostern ohne normale Gottesdienste, Ostern ohne Gemeinde! Dann kam die Kontaktsperre hinzu. Ostern jetzt auch noch ohne Familie?? Das wird ein Ostern der ganz anderen Art…

    Andacht zum Ostermontag
    (Die Andacht zum Ostersonntag finden Sie im Anschluss an diese Andacht)

    Nun, anders ist es auf jeden Fall geworden. Heute weiß ich einerseits, wie wichtig es mir eigentlich ist, Ostern mit Menschen zu verbringen: im Gottesdienst wie auch in der Familie. Doch das ist nicht alles. So, wie Kinder sich an der Ostereiersuche freuen, an all den schönen Kleinigkeiten, die sie an ungewohnten Orten entdecken, so habe auch ich dieses Jahr Ostern erlebt. Staunend stehe ich vor der Fülle von Ideen, mit denen sich Christinnen und Christen der Herausforderung dieses Jahres gestellt haben und dafür gesorgt haben, dass das Osterfest eben nicht ausfällt. Ganz unterschiedlich waren die Ideen und die Umsetzungen – je nachdem, was Menschen wichtig ist.

    Seit Wochen nun beten Menschen mit einander zum Glockenläuten. Räumlich getrennt zwar, aber im Gebet verbunden.

    Manche Gemeinden haben entschieden, nun Hausgottesdienste zu feiern. Die Vorlagen dazu kann man sich in der Kirche abholen oder sich mailen lassen und damit dann zuhause selbst einen eigenen kleinen Gottesdienst gestalten.

    In anderen Gemeinden wurde es richtig digital: Dort wurden die Gemeindemitglieder aufgefordert, Fotos von sich mit einer (Oster-)Kerze einzusenden, die dann zu einem digitalen Osterfeuer zusammengeschnitten wurden. Oder die Pfarrerinnen und Pfarrer begleiten ihre Gemeinden nun mit regelmäßigen Youtube-Gottesdiensten durch diese Zeit Bei uns in Weilburg entstand über die momentane Ausnahmesituation die Gelegenheit, kurze ökumenische Fernsehgottesdienste für Karfreitag und Ostersonntag zu gestalten – was für ein Geschenk.

    Doch nicht nur neue Gottesdienstformen sind entstanden. Viele Menschen haben sich auf den kirchenmusikalischen Mega-Flashmob vorbereitet und am Ostersonntag zum Schluss des Fernsehgottesdienstes gemeinsam am Fenster oder auf dem Balkon „Christ ist erstanden“ intoniert.

    Christinnen und Christen haben für einander gebastelt und Kerzen verschenkt. Die nächsten haben für andere Menschen Osternester, Osterbrot oder Osterlämmer gebacken. Ostereier und Schokoladenhasen, Blumen und Karten mit einem kleinen Ostergruß wurden so viel verschenkt wie selten.

    Mancherorts haben Kinder und Jugendliche Segenssteine bemalt, die nun munter in den Städten und Dörfern verteilt liegen. Auch in den sozialen Netzwerken verbreitete sich die frohe Botschaft in einer Offenheit, wie ich es früher nicht wahrgenommen habe.

    Relativ spät erst kam in unserer Gemeinde die Idee an, die frohe Botschaft auch mit Straßenkreide in die Welt hinaus zu tragen. Uns erreichte diese Einladung zu diesem „stillen Flashmob“ Karsamstag Abend. Doch Straßenkreide gehört nicht zu unserer Grundausstattung, die Läden hatten schon geschlossen. Am Ostermorgen haben wir uns dann gefreut wie Bolle, als wir dennoch den Schriftzug in unserer Einfahrt entdeckten: „Der Herr ist auferstanden!“ Herzlichen Dank an den unbekannten Street-Art-Künstler!

    All dies hat für mich dazu beigetragen, das diesjährige Ostern zu einem Fest zu machen. Zu einem ganz anderen, kreativen, ungewohnten und berührenden Osterfest der eigenen Art.

    Denn genau darum geht es doch: Der Herr ist auferstanden, ja, er ist wahrhaftig auferstanden! Jesus ist auferweckt, Gottes Liebe ist stärker als der Tod. Sie gilt auch uns, und zum Glück ist diese Hoffnung nicht abhängig von unseren Familienfesten und Gottesdienstfeiern. Nein, Gottes Liebe, die ist vielmehr gerade da, wo wir sie besonders brauchen. Sie lässt sich nicht abschrecken von den Widrigkeiten dieser Welt. Nicht von Hass und Aggression, nicht von Elend und Tod, auch nicht von Krankheit und Distanz. Gott muss keine Abstandsregeln einhalten, er ist überall für uns da. Und diese Hoffnung stärkt, gerade auch in herausfordernden Zeiten.

    In diesem Sinne – frohe Ostern! Jetzt erst recht.

    Pfarrerin Cornelia Stock, Tel. 06471 / 311 94 02, stock@evangelisch-in-weilburg.de

     

    Andacht zum Ostersonntag

    Am Ostermorgen besuchen Frauen das Grab von Jesus. Sie wollen das tun, was damals üblich war. Sie wollen den Verstorbenen balsamieren – ein letzter Liebesdienst. Doch dann entdecken sie: Das Grab ist leer. Jesus ist auferstanden. Ein Engel tritt zu den Frauen und spricht: „Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten? Jesus ist nicht hier. Er ist auferstanden.“ – Gedanken von Pfarrer Guido Hepke zu diesem Osterevangelium...

    Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten? Jesus ist nicht hier. Er ist auferstanden!

    Jesus, der Lebendige, ist bei den Lebenden. Ostern bedeutet: Jesus ist bei uns. Bei Ihnen. Bei dir. Bei mir. Auch jetzt, in diesem Moment. Egal, ob wir nun beim Osterfrühstück mit dem Tablet surfen – oder selbst am Feiertag den PC anwerfen. Ob wir im Garten dem Glockengeläut der Kirchen lauschen oder alleine auf dem Sofa sitzen. Egal, wo wir uns gerade aufhalten: Jesus ist da.

    Während wir den Lebendigen vielleicht noch suchen, hat er uns längst gefunden. Jesus wartet nur darauf, dass wir aufwachen und ihn erkennen.

    Wir begegnen dem Auferstandenen zum Beispiel in anderen Menschen, die Gutes tun. Und davon gibt es gerade so viel: Viele Menschen gehen freundlicher miteinander um – weil sie jetzt etwas mehr Zeit haben. Und spüren: Es ist wichtig, dass wir einander haben. Ärzte, Pflegekräfte und Kassiererinnen erleben eine Welle der Solidarität. Ihr haltet den Laden am Laufen. Danke.

    Der Zusammenhalt ist stärker geworden: In Odersbach kaufen die Kirmesburschen und –Mädels für die Älteren ein. Die Damen vom Nähcafé-Garnröllchen nähen Mundschutz für die Mitarbeiterinnen der Diakoniestation. Der Weltladen ist weiter geöffnet. Mit jedem Einkauf können wir ganz konkret helfen. Und zwar denen, die noch viel stärker von der Corona-Krise betroffen sind als wir hier in Europa. Ich meine: Bei all diesen Aktionen Miteinander und füreinander leuchtet etwas auf von diesem Licht der Auferstehung.

    Der Engel fragt am ersten Ostermorgen: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Jesus ist nicht hier. Er ist auferstanden.“ - Das Ostergeschehen lenkt unseren Blick von der Dunkelheit des Lebens ins Licht. Vom leeren Grab hin zu Gott und zu anderen Menschen. Jesus bleibt bei uns auch in diesen Corona-Tagen. Diese Osterbotschaft können wir einander weitersagen.

    Pfarrer Guido Hepke, Weilburg

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